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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Landarztquote in Hessen: Macht die Abiturnote einen Unterschied? Simulationsbasierte Analyse zum Einfluss der Abiturnote auf Auswahlentscheidungen

Lea Müller - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Claret Canelon - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Tabea Knopp - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Joachim G. Kreuder - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Julia K. Paul - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Valerie A. Erkens - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: In Hessen erfolgt die Studienplatzvergabe zur Landarztquote (LAQ) und zur Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGDQ) seit 2022 über ein zweistufiges Auswahlverfahren, das in der ersten Stufe den TMS mit bis zu 60 von 100 Punkten und berufliche Qualifikationen mit höchstens 40 Punkten, nicht jedoch die Abiturnote berücksichtigt. Gleichwohl bleibt die Abiturnote als traditioneller Prädiktor für Studienerfolg weiterhin ein zentrales, in seiner Gewichtung jedoch kontrovers diskutiertes Element der Studienplatzvergabe. Vor diesem Hintergrund wurde für die LAQ im Rahmen des Qualitätsmanagements analysiert, wie sich ein hypothetischer Einbezug der Abiturnote auf das Auswahlergebnis ausgewirkt hätte. Die Studie trägt damit sowohl zur vom MFT geforderten Begleitforschung zu Vorabquoten und deren Auswahlkriterien [1] sowie zur Forderung des GMA-Ausschusses Studierendenauswahl nach Evaluationen unterschiedlicher Kriterien-Portfolios bei [2].

Methoden: Für die Bewerbungskohorten 2023/24 bis 2025/26 wurden alternative Ranglisten für die erste Auswahlstufe gebildet, in denen das bisherige Ergebnis der ersten Auswahlstufe mit 70% und die Abiturnote mit 30% gewichtet wurden. Für Teilnehmende der zweiten Auswahlstufe wurde ergänzend eine Gesamtrangliste über beide Auswahlstufen erstellt. So wurde bestimmt, wer hypothetisch zur zweiten Auswahlstufe eingeladen worden wäre bzw. ein Studienplatzangebot erhalten hätte. Die Ergebnisse wurden mit den tatsächlichen Auswahlentscheidungen verglichen.

Ergebnisse: In allen drei Bewerbungskohorten wurden mindestens 84% der Bewerber*innen, die unter Einbezug der Abiturnote zur zweiten Auswahlstufe eingeladen worden wären, auch im aktuellen Verfahren eingeladen. Bewerber*innen, die beide Auswahlstufen durchliefen und unter Berücksichtigung der Abiturnote ein Studienplatzangebot erhalten hätten, erhielten im bestehenden Verfahren in allen Kohorten im ersten Durchgang zu 88-96% und unter Einbezug des Nachrückverfahrens zu 98-100% ein Angebot.

Diskussion: Das bestehende Verfahren führt zu nahezu denselben Auswahlentscheidungen wie das hypothetische Modell. Relevante Unterschiede zeigten sich primär bei der Einladung zur zweiten Auswahlstufe im unteren Ranglistenbereich: So wären unter Berücksichtigung der Abiturnote einzelne Bewerber*innen eingeladen worden, die im aktuellen Verfahren keine anrechenbaren Qualifikationen aufwiesen und somit nur über das Los- bzw. Nachrückverfahren eine Chance auf Berücksichtigung gehabt hätten. Vor dem Hintergrund, dass mit dem TMS bereits ein kognitives Leistungskriterium berücksichtigt wird, könnte die Abiturnote daher eher als einem Losverfahren vorgelagertes Differenzierungskriterium sinnvoll sein.

Take-Home-Messages: Die Abiturnote entfaltet ihre Relevanz vor allem bei der Einladung zur zweiten Auswahlstufe im unteren Ranglistenbereich. In diesem Kontext könnte sie als sinnvolles Differenzierungskriterium vor einem Losverfahren eingesetzt werden.


Literatur

[1] Medizinischer Fakultätentag. Positionspapier des Medizinischen Fakultätentages (MFT): Ärztesteuerung durch Zulassungsquoten: Vorabquoten evaluieren und nicht weiter ausweiten. Berlin: MFT; 2025. Zugänglich unter/available from: https://medizinische-fakultaeten.de/wp-content/uploads/2025/07/Positionspapier-des-MFT_Aerztesteuerung-durch-Zulassungsquoten-pdf
[2] Müller-Hilke B, Gehlhar K. Position paper on the existing selection procedure in Germany for the degree program human medicine - interim evaluation after four years. Position paper of the student selection (ASA) in the DACH Association for Medical Education (GMA). GMS J Med Educ. 2026;43(2):Doc26. DOI: 10.3205/zma001820