Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Wissen, Einstellung und Praxis von Medizinstudierenden zur nachhaltigen Ernährung: Ergebnisse einer explorativen Querschnittsstudie
Text
Hintergrund/Fragestellung: Die menschliche Ernährungsweise hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit und die Umwelt. Eine ungesunde Ernährung steigert das Risiko für nicht-übertragbare chronische Krankheiten. Zudem belastet das globale Ernährungssystem die Umwelt stark. Trotz der hohen Relevanz für das Wohlbefinden des Menschen und den Zustand des Planeten wird das Thema Ernährung im Medizinstudium nur unzureichend behandelt, obwohl Ärztinnen und Ärzte eine zentrale Schlüsselrolle bei der Beratung zu Ernährungsaspekten leisten können. Ziel der Arbeit war es daher, den Wissensstand, die Einstellung und die Praxis von Medizinstudierenden zum Thema Ernährung im Allgemeinen und zur nachhaltigen Ernährung im Besonderen zu untersuchen, da es hierzu eine sehr begrenzte Datenlage gibt.
Methoden: Im Rahmen einer explorativen Querschnittsstudie erfolgte von Juli bis Oktober 2024 erfolgte eine Online-Befragung von Medizinstudierenden der TU Dresden ab dem dritten Fachsemester. Der Aufbau des Fragebogens orientierte sich am „Knowledge, Attitude, and Practice“-Modell nach Everett M. Rogers, wurde auf Basis des aktuellen Forschungsstands und theoretischer Arbeiten entwickelt und in einem Pretest getestet. Die Rekrutierung der Zielpopulation erfolgte über Rundmails, die Verteilung von Flyern und direkte Ansprache in Lehrveranstaltungen. Die Datenauswertung erfolgte mit der Statistiksoftware R. Aufgrund der Anonymität der Befragung musste kein Ethikantrag gestellt werden.
Ergebnisse: In die Untersuchung wurden 285 von insgesamt 2.412 Medizinstudierenden eingeschlossen (Response: 11,8%), davon 212 Frauen und 70 Männer (Angabe „divers“: n=2, keine Angabe: n=1). Das durchschnittliche Fachsemester der Studienpopulation lag bei 6,7 (SD±2,9, Spannweite: 3-15). Die Studierenden beantworteten im Durchschnitt 57,1% der Wissensfragen richtig, zeigten ein hohes Interesse an gesunder und nachhaltiger Ernährung und schätzten ihre Beratungskompetenz als durchschnittlich bis unzureichend ein. Sie erkannten den Zusammenhang zwischen gesunder und nachhaltiger Ernährung, empfanden ihre Ernährungsbildung allerdings als unzureichend und äußerten den Wunsch nach mehr entsprechenden Lehrveranstaltungen.
Diskussion: Obwohl das Interesse am Themenfeld Ernährung ausgeprägt war, zeigten sich Defizite im Ernährungswissen sowie in der selbsteingeschätzten Beratungskompetenz. Zwar anerkannten die Medizinstudierenden, dass eine gesunde und eine nachhaltige Ernährung miteinander in Verbindung stehen, jedoch stuften sie eine nachhaltige Ernährung als weniger relevant ein als eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise.
Take-Home-Message: Die Ergebnisse legen eine stärkere Integration von Ernährung, einschließlich nachhaltiger Ernährung, in die Curricula der medizinischen Ausbildung nahe, um den wachsenden gesundheitlichen und umweltbezogenen Herausforderungen des globalen Ernährungssystems besser begegnen zu können.



