Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Rassismus in der Medizin: Entwicklung, Implementierung und erste Evaluation eines longitudinalen Curriculums im Medizinstudium
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Rassismus stellt eine relevante soziale Determinante von Gesundheit dar und trägt wesentlich zu gesundheitlichen Ungleichheiten bei. Obwohl das nationale Outcome Framework PROFILES [1] entsprechende Kompetenzen vorsieht, existierten im Medizinstudium der Universität Bern bislang keine dezidierten Lehrangebote zur Thematisierung von Rassismus. Ziel dieses Projekts war die Konzeption eines obligatorischen, longitudinalen Curriculums zu Rassismus in der Medizin sowie die Pilotierung und Evaluation erster Lehreinheiten. Medizinstudierende sollen für rassismusbedingte Mechanismen inklusive historischer Kontinuitäten im Gesundheitswesen sensibilisiert und schliesslich in ihren Handlungskompetenzen im Umgang mit rassifizierten Patient*innen gestärkt werden.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Auf Grundlage der Frameworks von Jones [2] sowie Sotto-Santiago [3] wurden Lernziele definiert und ein Curriculum entwickelt, das Inhalte zu Rassismus und dessen Auswirkungen auf Gesundheit über die sechs Studienjahre hinweg aufeinander aufbauend integriert. Wo möglich, wurden bestehende Lehrformate gezielt neu fokussiert oder ergänzt, um Ressourcen zu schonen und die klinische Relevanz der Thematik sichtbar zu machen. Zum Einsatz kommen PBL-Fälle, Vorlesungen, E-Learning-Module, strukturierte Reflexionsaufgaben im Rahmen klinischer Praktika sowie ein praxisorientierter Kommunikationskurs. Die Evaluation der bisher pilotierten Formate erfolgte mittels Fragebögen (u.a. zu Haltungen, Selbsteinschätzung und wahrgenommenem Lernzuwachs), Fokusgruppen mit Studierenden sowie Rückmeldungen der Lehrpersonen.
Ergebnisse: Die Studierenden bewerteten die Lehrformate positiv und berichteten einen relevanten Lernzuwachs, insbesondere hinsichtlich Sensibilisierung und Reflexionsfähigkeit. Förderlich für Entwicklung und Implementierung wirkten die Revision von PROFILES mit stärkerer Berücksichtigung von Equity, Diversity und Inclusion, sowie die Unterstützung durch die Fakultätsleitung. Fördermittel ermöglichten die Umsetzung des Projekts. Als Herausforderung bleiben geeignete Faculty Development Angebote zum Thema.
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass die curriculare Verankerung von Rassismus im Medizinstudium umsetzbar ist und von Studierenden als sinnvoll erlebt wird. Fallbasierte, studierendenzentrierte und reflexive Lehrformate scheinen geeignet, affektive und handlungsbezogene Lernziele zu adressieren. Für eine nachhaltige Implementierung ist der gezielte Ausbau von Faculty-Development-Angeboten zentral.
Take-Home-Messages:
- Ein (Anti-)Rassismus-Curriculum kann durch gezielte Ergänzungen bestehender Formate ressourcenschonend implementiert werden.
- Ein longitudinaler Ansatz ist entscheidend für nachhaltige Kompetenzentwicklung im Bereich EDI.
- Die Qualifizierung der Lehrenden ist zentral für eine langfristige curriculare Verankerung.
Literatur
[1] Berendonk C, Waldvogel TE, Bonvin R, Schirlo C, Goldhahn J, Zimmermann F, Nendaz M. Revision of a nationwide competency framework for undergraduate medical education in Switzerland: PROFILES 2. Swiss Med Wkly. 2025;155(9):4389. DOI: 10.57187/s.4389[2] Jones CP. Toward the Science and Practice of Anti-Racism: Launching a National Campaign Against Racism. Ethn Dis. 2018;28(Supp 1):231-234. DOI: 10.18865/ed.28.S1.231
[3] Sotto-Santiago S, Poll-Hunter N, Trice T, Buenconsejo-Lum L, Golden S, Howell J, Jacobs N, Lee W, Mason H, Ogunyemi D, Crespo W, Lamba S. A Framework for Developing Antiracist Medical Educators and Practitioner-Scholars. Acad Med. 2022;97(1):41-47. DOI: 10.1097/ACM.0000000000004385



