Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Zwischen Sprache, Profession und Patient*in – Lehrformat für dolmetschvermittelte Kommunikation
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Eine adäquate Patient*innenversorgung erfordert einen verständlichen Informationsaustausch, etwa in Aufklärungs-, Anamnese- oder Beratungssituationen. Fehlt eine gemeinsame Sprache, ist dieser erheblich eingeschränkt. In der Praxis werden technische Übersetzungshilfen oder Angehörige eingesetzt. Eine qualitativ angemessene Lösung bietet der Einsatz professioneller Dolmetschender als sprachliche und kulturelle Vermittler*innen [1].
Die dolmetschvermittelte, triadische Kommunikation (Behandler*in – Dolmetscher*in – Patient*in) stellt spezifische kommunikative und interprofessionelle Anforderungen. Reflektiertes Training ist in der Lage die Handlungs- und Patient*innensicherheitzu stärken (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).
Abbildung 1: Gemeinsame Anamnese. Interprofessionelle Simulationssituation und Szenarienbearbeitung durch Studierende. 
Von links: Ärztin (Humanmedizin), werdende Mutter (geschulte Simulationsperson), Dolmetscherin (Konferenzdolmetschen), Hebamme (Hebammenwissenschaften)
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Das interprofessionelle Lehrformat „Teaming in Translation“ [2], [3] (TeamTra) wurde ab 2022 über drei Semester zur Förderung dolmetschvermittelter Kommunikation und interprofessioneller Zusammenarbeit initiiert. Teilnehmende waren Studierende der Medizin, Hebammenwissenschaft und des Konferenzdolmetschens.
In Kooperation zwischen Medizinischer Fakultät, Universitätsklinikum Leipzig und Philologischer Fakultät wurden simulationsbasierte Szenarien entwickelt, durchgeführt und angepasst. Die Szenarien fanden auf Arabisch oder Spanisch mit geschulten muttersprachlichen Simulationspersonen statt, die ein 360°-Feedback gaben.
Nach Projektabschluss wurde das Format im 3. und 4. Fachsemester des Hebammenstudiums curricular verankert und auf zwei Szenarien reduziert (Kreißsaalaufnahme/Geburtsaufklärung sowie Stillberatung/Entlassungsgespräch).
Die Rückmeldungen wurden nach jeder Lehreinheit mittels eines kurzen Fragebogens (10 Items, Freitext) über Evasys® erhoben.
Ergebnisse: Trotz mehrfacher Anpassungen von Rollen, kommunikativen Schwerpunkten und Ablauf blieben die Bewertungen von der Projektphase bis zur curricularen Verankerung stabil. In den offenen Antwortformaten hoben die Teilnehmenden insbesondere den interprofessionellen Austausch sowie das differenzierte Feedback zur eigenen und gemeinsamen Teamperformance hervor.
Diskussion: TeamTra ermöglichte Studierenden erstmals realistische Erfahrungen mit dolmetschvermittelter, triadischer Kommunikation. Die Teilnehmenden berichteten eine subjektiv erhöhte Handlungssicherheit und Kompetenz im Umgang mit diesen komplexen Situationen.
Trotz des hohen organisatorischen Aufwands überwogen die didaktischen Mehrwerte des Lehrformats. Im Projektverlauf wurde insbesondere das Debriefing stärker auf interprofessionellen Austausch ausgerichtet, da dieser wiederholt als besonders lernwirksam benannt wurde.
Take-Home-Messages:
- Simulationen mit professionell vorbereiteten Dolmetschenden ermöglichen es, triadische Kommunikation in den Gesundheitsberufen realitätsnah, sicher und interprofessionell zu lehren.
- Eine frühzeitige curriculare Verankerung fördert Handlungssicherheit und Normalisierung dolmetschvermittelter Kommunikation im späteren Berufsalltag.
Literatur
[1] Böttche M, Stammel N, Knaevelsrud C. Psychotherapeutic treatment of traumatized refugees in Germany [Psychotherapeutic treatment of traumatized refugees in Germany]. Nervenarzt. 2016;87(11):1136-1143. DOI: 10.1007/s00115-016-0214-x[2] Reichmann T, Fonseca LC, Brückner D, Rotzoll D, Todorow H, Tauscher A. Teaming in Translation: training interpreting, medical, and midwifery students in simulated birth settings. FITISPos Int J. 2024;11(2):112-132. DOI: 10.37536/FITISPos-IJ.2024.11.2.365
[3] Reichmann T, Fonseca LC, Brückner D, Rotzoll D, Todorow H, Tauscher A, Evers L. Culturally aware healthcare providers: training future physicians and midwives to work with trained interpreters. In: Fogarasi K, Mány D, editors. Impact of sociocultural factors on health communication. Berlin: Peter Lang; 2025. p.155-168.



