Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
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Triage, Team, Tempo in der Nacht: NIPS als hochschulweites interprofessionelles Praxisformat der Notaufnahme-Simulation mit Schauspielpatient*innen
Text
Hintergrund/Fragestellung: Patient*innensicherheit in der Notaufnahme beruht wesentlich auf verlässlicher interprofessioneller Zusammenarbeit – insbesondere auf Teamwork und klaren Kommunikationsprozessen unter Zeitdruck [1]. NIPS (Night-Shift Interprofessional Simulation) wurde als Praxisprojekt entwickelt, um die Komplexität einer Notaufnahme-Nachtschicht in einem sicheren, realitätsnahen Simulationssetting abzubilden und interprofessionelle Kompetenzen gezielt zu fördern.
Methoden: NIPS ist ein mehrstündiges Nachtschicht-Simulationsformat, das an der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt wurde. Teilnehmende waren interprofessionelle Lernende (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). Die Planung war koordinationsintensiv und wurde von der Projektleitung, einem interprofessionellen Supervisions-Team, einer studentischen Szenario-Organisation sowie dem Simulationspatient*innenprogramm durchgeführt. Die Reproduzierbarkeit wurde über standardisierte Materialien (Ablaufpläne, Checklisten, Rollenprofile, Leitfäden, Fallkarten) gesichert. Ein vorgelagerter Crew Day strukturierte die Einführung der Teilnehmenden. Die Evaluation des 2. Durchlaufs umfasste eine 5 Punkt-Likert-Skala zu Akzeptanz und Realitätsnähe sowie Prä-/Post-Erhebungen zu interprofessioneller Handlungsfähigkeit.
Abbildung 1: Verteilung der Teilnehmenden (n=52) nach Berufsgruppen
Ergebnisse: Das Format wurde bislang zweimal mit insgesamt 52 Teilnehmenden durchgeführt (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). Die erste Durchführung bestätigte die Machbarkeit des Lehrformats NIPS. Nach dem Pilot-Durchlauf wurden ein Impulsvortrag zur Triagierung ergänzt sowie das Betreuungskonzept von fallbezogener 1:1-Tutorierung auf eine zentrale tutorielle Begleitung aller Szenarien umgestellt. Die Teilnehmenden bewerteten NIPS positiv, mit einer mittleren Gesamtbewertung nach Oberstufenschema von 12,9 Punkten (SD=2,9, n=25). Für das Item „Ich traue mir zu, Patient*innen in der Notaufnahme selbstständig zu betreuen” ergab sich ein signifikanter Kompetenzzuwachs von durchschnittlich 1,04 (SD=1,07) Punkten für die gesamte Kohorte (Prä MW=2,68 (SD 0,80) vs. Post MW=3,64 (SD 0,81), p >0,001). Die finale Auswertung wird beim Kongress vorgestellt.
Diskussion: NIPS verbindet interprofessionelles Lernen mit der systemischen Komplexität einer Notaufnahme-Nachtschicht und unterstützt Lernen „als Team“. Der Crew Day fördert die Zusammenarbeit in der Simulation [2]. Die unterschiedlichen Ausbildungsstrukturen und stark divergierende Kohortengrößen der Ausbildungs- und Studiengänge erschweren die Planung. NIPS ist ressourcenaufwändig; schafft jedoch durch die Standardisierung gute Voraussetzungen für standortübergreifende Weiterentwicklung.
Take-Home-Messages:
- NIPS ist als Praxisprojekt machbar und ermöglicht interprofessionelles Lernen als Team unter realistischen Bedingungen einer Notaufnahme-Nachtschicht.
- Der Crew Day ist ein zentraler Erfolgsfaktor für standardisierte Einarbeitung und Zusammenarbeit.
- Hohe Teilnehmendenmotivation trifft auf hohen Planungs- und Ressourcenbedarf.
Literatur
[1] Kilner E, Sheppard LA. The role of teamwork and communication in the emergency department: a systematic review. Int Emerg Nurs. 2010;18(3):127-137. DOI: 10.1016/j.ienj.2009.05.006[2] Jiang Y, Cai Y, Zhang X, Wang C. Interprofessional education interventions for healthcare professionals to improve patient safety: a scoping review. Med Educ Online. 2024;29(1):2391631. DOI: 10.1080/10872981.2024.2391631



