Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
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Entlassungsmanagement lehren? Eine empirische Untersuchung zum Wissensstand von Medizinstudierenden
Text
Hintergrund: Das Entlassungsmanagement (EM) ist ein Teil der Krankenhausversorgung. Neben Ärzt*innen, Pflegefachpersonen und Sozialarbeiter*innen sind auch Medizinstudierende als Teil des interprofessionellen Teams in zentrale EM-Prozesse eingebunden [1]. Mit dem Berufseinstieg wird erwartet, dass Absolvent*innen das EM eigenverantwortlich durchführen. Empirische Befunde weisen auf Wissensdefizite hinsichtlich zentraler EM-Prozesse hin. Im Rahmen dieser Studie wurde ein Testinstrument weiterentwickelt und inhaltlich validiert, um das Wissen von Medizinstudierenden zu den Wissensdimensionen (WD) des EM erfassen zu können [2].
Methoden: Der Test besteht aus 24 Items, die vier WD des EM abdecken: zeitliche Aspekte, Zuständigkeiten und Aufgabenverteilung, versicherungsrechtliche Aspekte sowie Nachsorge. Die Wissensstandserhebung erfolgte im SoSe 2025 an der LMU München als Teil eines EM-Seminars für Medizinstudierende im klinischen Abschnitt. Der Test wurde über die Lernplattform Kahoot! bereitgestellt. Es bearbeiteten 184 Medizinstudierende den Wissenstest. Zur Auswertung wurden die Mittelwerte der acht Skalen (zwei Wissensarten mit jeweils vier WD) deskriptiv beschrieben und mittels Varianzanalysen für abhängige Messungen verglichen.
Ergebnisse: Tabelle 1 [Tab. 1] zeigt die Mittelwerte und Standardabweichungen für alle 2 Wissensarten. Insgesamt zeigte sich, wie erwartet, ein niedriges Wissensniveau.
Tabelle 1: Deskriptive Statistiken nach Wissensarten
Inferenzstatistisch zeigten sich sowohl für das konzeptionelle (F(3;549)=47,6; p<.001; η2=.12) als auch für das prozedurale Wissen (F(3;549)=17,1; p<.001; η2=.05) signifikante Unterschiede über die WD hinweg. Inferenzstatistisch zeigten sich sowohl für das konzeptionelle (F(3;549)=47,6; p<.001; η2=.12) als auch für das prozedurale Wissen (F(3;549)=17,1; p<.001; η2=.05) signifikante Unterschiede zwischen den WD. Das Konzeptionelle Wissen war in allen WD höher ausgeprägt als das Wissen zur Nachsorge (alle pTukey<.001) und das Wissen zu versicherungsrechtlichen Aspekten war leicht höher als das Wissen zu zeitlichen Aspekten (pTukey=.009). Das prozedurale Wissen zu Zuständigkeiten und Aufgabenverteilung war höher ausgeprägt als das Wissen zu allen anderen WD (alle pTukey<.001).
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen ein niedriges Wissensniveau der Medizinstudierenden hinsichtlich zentraler EM-Prozesse. Unterschiede zwischen den WD weisen auf ein heterogenes Kompetenzprofil innerhalb der WD hin [2]. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer frühzeitigen, strukturierten und interprofessionell ausgerichteten curricularen Verankerung von EM-Lehrinhalten. Das weiterentwickelte und inhaltlich validierte Testinstrument bietet hierfür eine Grundlage [2].
Take-Home-Messages:
- Medizinstudierende weisen insgesamt ein niedriges Wissensniveau im EM auf.
- Eine curriculare Integration von EM-Lehrinhalten ist notwendig.
- Das validierte Testinstrument ermöglicht die gezielte Evaluation von EM- Lehrformaten.
Literatur
[1] Koch PE, Simpson D, Toth H, Marcdante K, Densmore E, Young S, Weisgerber M, Morzinski JA, Havas N. Clinical clerkship students’ perceptions of (un)safe transitions for every patient. Acad Med. 2014;89(3):477-481. DOI: 10.1097/ACM.0000000000000153[2] Witti MJ, Wagner J, Zottmann JM, Fischer MR, Hausen A, Weidenbusch M, Stalder M. Berufsbezogene Wissensdefizite und Wissensunterschiede im interprofessionellen Entlassungsmanagement: Eine Fragebogenstudie. Pflege. 2025;38. DOI: 10.1024/1012-5302/a001037



