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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Was sollten Absolvent*innen des Medizinstudiums zu Arzneistoffen erlernen? Identifikation von Arzneistoffen, für die für bestimmte Patient*innengruppen und Lebenssituationen Anpassungen erforderlich sind

Alexander Oksche - Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP), Mainz, Deutschland
Jacqueline Jennebach - Medizinischer Fakultätentag (MFT), Berlin, Deutschland
Olaf Ahlers - Medizinische Hochschule Brandenburg, Institut für Gesundheitswissenschaftliche Ausbildungsforschung, Neuruppin, Deutschland
Nina Meißner - Medizinischer Fakultätentag (MFT), Berlin, Deutschland

Text

Lernziel: Seit Herbst 2025 bildet die überarbeitete Arzneistoffliste V2.0 des IMPP und MFT [1] ein Rahmenwerk für das Medizinstudium und die Auswahl von Arzneistoffen für Prüfungsaufgaben mit einem Bezug zur Pharmakotherapie für das M2 Staatsexamen. Bei der Auswahl der Arzneistoffe wurden u.a. Relevanz für das Lernen, Lehren und Prüfen und die Verordnungshäufigkeit berücksichtigt. Sie stellt keine Positivliste dar, da auch problematische Arzneistoffe enthalten sind, die u.a. exemplarisch für die Lehre von pharmakogenetischen Besonderheiten oder Arzneimittelinteraktionen relevant sind.

Die Arzneistoffliste bildet eine wichtige Grundlage für die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten zu Arzneimitteltherapiesicherheit. Diese beschreibt die Gesamtheit der Maßnahmen zur Gewährleistung eines optimalen Medikationsprozesses mit dem Ziel, Medikationsfehler und damit vermeidbare Risiken für den Patienten bei der Arzneimitteltherapie zu verringern [2]. Etwa fünf Prozent aller Krankenhauseinweisungen sind durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt, von denen etwa 25% dieser Fälle vermeidbar wären [3].

Damit kommt der indikationsgerechten Verordnung und Dosierung bei besonderen Therapiegegebenheiten (u.a. eingeschränkte Organfunktion, Wechselwirkungen mit weiteren Arzneistoffen oder Nahrungsmitteln, Schwangerschaft) eine besondere Bedeutung zu.

Wünschenswert ist perspektivisch eine Priorisierung von Arzneistoffen, für die spezielles Handlungs- und Begründungswissen von Absolvent*innen erwartet wird (z.B. Dosierungen, Dosisanpassungen, Kontraindikationen, Drug Monitoring). Ziel des Workshops ist es, Kriterien und Beispiele für Arzneistoffe zu identifizieren, für die Absolvent*innen des Medizinstudiums vertiefte Kenntnisse bei speziellen Patientenpopulationen (Kinder, Schwangere, Alter, CKD) oder besonderen Situationen (Nahrungskarenz, Hitze) aufweisen sollten.

Am Ende des Workshops können die Teilnehmer*innen

  • Ziel und Nutzen einer Arzneistoffliste erklären und reflektieren
  • die wesentlichen Bestandteile der neuen Arzneistoffliste (IMPP/MFT) erläutern und die Liste kontextbezogen anwenden
  • die Bedeutung einer Priorisierung von Arzneistoffen für den Lehr-, Lern- und Prüfungskontext erfassen und mögliche Kriterien für eine Priorisierung von Arzneistoffen ableiten
  • Kriterien für eine Priorisierung von Arzneistoffen an praktischen Beispielen anwenden

Ablauf der Veranstaltung mit Zeitplan inkl. eingesetzter didaktischer Methoden:

1. Einführung ins Thema (15 Minuten):

  • Vorstellungsrunde mit Erwartungsabfrage (10 Minuten)
  • Impulsreferat (Arzneistoffliste, internationalen Beispiele für Priorisierung) (5 Minuten).

2. Brainstorming und Schwerpunktbildung (15 Minuten):

    • Rahmenbedingungen zur Priorisierung von Arzneistoffen in Lehre und Prüfungen
    • Sammlung von Priorisierungsgruppen und von Wissensdomänen und Kompetenzen
    • Kriterien für mögliche Kategorien zur Priorisierung von Arzneistoffen
    • Vorstellung von NKLM-Lernzielen mit besonderen Patient*innen-Gruppen bzw. Vorerkrankungen
    • Bündelung der Vorschläge und Erarbeitung von Arbeitsaufträgen für Gruppenarbeit (Bildung von bis zu drei Gruppen)

3. Thematische Analyse (40 Minuten): Phase der Gruppenarbeit

    • Gruppenarbeit mit Coaching: jeweils Ausarbeitung der Arbeitsaufträge und Vorbereitung einer kurzen Präsentation im Plenum

4. Präsentation und Diskussion (20 Minuten):

    • Vorstellung der Ergebnisse der Gruppen (je ca. 5 Min) sowie Diskussion (je ca. 10 Minuten).

Zielgruppe: Lehrende mit Interesse an der Vermittlung pharmakologischer und pharmakotherapeutischer Lehrinhalte sowie deren Prüfung (u.a. Biochemie, Physiologie, Allgemeine und Spezielle Pharmakologie, klinischen Pharmakologie, Notfallmedizin, ambulante Medizin, Schmerztherapie).

Vorbereitung: Sichtung der Arzneistoffliste V2.0 (einschließlich der Präambel).


Literatur

[1] Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP). Arzneistoffliste V.2 für den GK M2. Mainz; IMPP; 2025. Zugänglich unter/available from: https://www.impp.de/pruefungen/allgemein/gegenstandskataloge.html
[2] Aly AF. Ein „Was ist Was“ der Sicherheit. Berlin: Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft; 2023. Zugänglich unter/available from: https://www.akdae.de/fileadmin/user_upload/akdae/Kommission/Presse/DAe/20141031.pdf
[3] Just KS, Dormann H, Böhme M, Schurig M, Schneider KL, Steffens M, Dunow S, Plank-Kiegele B, Ettrich K, Seufferlein T, Gräff I, Igel S, Schricker S, Jaeger SU, Schwab M, Stingl JC. Adverse Drug Reactions in the Emergency Department: Is There a Role for Pharmacogenomic Profiles at Risk?-Results from the ADRED Study. J Clin Med. 2020;9(6):1801. DOI: 10.3390/jcm9061801