Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Patient Involvement und Professionelle Identitätsentwicklung: Haltungen reflektieren, Konzepte entwickeln, Umsetzung gestalten
Text
Kurzbeschreibung/Hintergrund: Patient Involvement gilt zunehmend als zentrales Element zeitgemäßer medizinischer Ausbildung. Die aktive Einbindung von Menschen mit Krankheitserfahrung als Lehrende bietet Chancen für die verstärkte Berücksichtigung des subjektiven Erlebens kranker Menschen jenseits ihrer Diagnose [1]. Der direkte Austausch und die Einladung zum Perspektivwechsel können Reflexionsfähigkeit und die Förderung einer empathischen professioneller Haltung von Lernenden und Lehrenden unterstützen [2]. Damit hat Patient Involvement das Potenzial, einen Beitrag zur professionellen Identitätsentwicklung von Medizinstudierenden zu leisten. Gleichzeitig ist die Umsetzung von Patient Involvement mit konzeptionellen, institutionellen und persönlichen Herausforderungen verbunden [3], die Fragen nach Rollenverständnissen, Machtverhältnissen, Verantwortung, emotionaler Belastung sowie nachhaltiger curricularer Verankerung aufwerfen.
Der Workshop greift diese Spannungsfelder auf und bietet einen geschützten Raum zur gemeinsamen Reflexion, zum Erfahrungsaustausch und zur konkreten konzeptionellen Arbeit. Die Workshop-Leiter bringen ihre Erfahrungen als Curriculum-Entwicklerinnen und aus der praktischen Umsetzung von Patient-Involvement-Formaten ein. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit eigenen Haltungen, Annahmen und institutionellen Rahmenbedingungen sowie die Frage, wie Patient Involvement sinnvoll und nachhaltig in der Lehre verankert werden kann.
Lernziele:
- Zentrale Zielsetzungen, Potenziale und Herausforderungen von Patient Involvement in der medizinischen Lehre benennen,
- eigene Haltungen, Rollenverständnisse und mögliche Spannungsfelder im Umgang mit Patient Involvement reflektieren,
- förderliche und hemmende Rahmenbedingungen an der eigenen Fakultät analysieren,
- konkrete Ideen für die Umsetzung oder Weiterentwicklung von Patient-Involvement-Formaten entwickeln,
- Strategien zum Umgang mit institutionellen, didaktischen und persönlichen Herausforderungen ableiten.
Ablauf und didaktische Gestaltung (90 Minuten):
- Einführung (15 Minuten): Einordnung von Patient Involvement in der medizinischen Ausbildung: Ziele, Formen, Chancen und Herausforderungen. Kurzimpuls zu Haltungen, Rollenverständnissen und Erfahrungswissen aus der Praxis.
- Individuelle Reflexionsphase (15 Minuten): Geführte Einzelreflexion zu eigenen Erfahrungen, Erwartungen und möglichen Vorbehalten gegenüber Patient Involvement. Fokus auf persönliche Haltung, institutionellen Kontext und bisherige Berührungspunkte.
- Kleingruppenarbeit: Erfahrungen, Spannungsfelder und Gelingensbedingungen (30 Minuten): Austausch in Kleingruppen zu zentralen Fragen wie:
– Welche Chancen sehen wir für Lehre und Lernende?
– Wo erleben wir Widerstände oder Unsicherheiten?
– Welche strukturellen oder kulturellen Hürden bestehen an der eigenen Institution? - Konzeptionsphase: Von der Idee zur Umsetzung (20 Minuten): Arbeit an eigenen mitgebrachten oder gemeinsam entwickelten Ideen für Patient-Involvement-Formate. Strukturierte Leitfragen unterstützen den Transfer in den jeweiligen institutionellen Kontext.
- Abschluss und Transfer (10 Minuten): Plenumsdiskussion mit Sammlung zentraler Erkenntnisse, Erfolgsfaktoren und möglicher nächster Schritte. Gemeinsame Reflexion über nachhaltige Implementierungsstrategien.
Zielgruppe und Voraussetzungen: Der Workshop richtet sich an Lehrende, Curriculum-Entwickler*innen, Studierende sowie alle Personen, die Patient Involvement in der medizinischen oder gesundheitsbezogenen Ausbildung implementieren oder weiterentwickeln möchten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Bereitschaft zur Reflexion eigener Haltungen und zur aktiven Mitarbeit wird vorausgesetzt. Eigene Projektideen oder Beispiele aus der Praxis können gern eingebracht werden, sind jedoch keine Voraussetzung. Ein achtsamer, wertschätzender und freiwilliger Umgang mit persönlichen Erfahrungen wird im Workshop explizit berücksichtigt.
Literatur
[1] Bennett-Weston A, Gay S, Anderson ES. A theoretical systematic review of patient involvement in health and social care education. Adv Health Sci Educ Theory Pract. 2023;28:279-304. DOI: 10.1007/s10459-022-10137-3[2] Dijk SW, Duijer EJ, Wienold M. Role of active patient involvement in undergraduate medical education: a systematic review. BMJ Open. 2020;10(7):e037217. DOI: 10.1136/bmjopen-2020-037217
[3] Eijkelboom C, Brouwers M, Frenkel J, van Gurp P, Jaarsma D, de Jonge R, Koksma J, Mulder D, Schaafsma E, Sehlbach C, Warmenhoven F, Willemen A, de la Croix A. Twelve tips for patient involvement in health professions education. Patient Educ Couns. 2023;106:92-97. DOI: 10.1016/j.pec.2022.09.016



