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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Untersuchung der Auswirkung von Weiterbildungen und Lehrerfahrung auf die „Teacher Identity“ von Lehrenden verschiedener Disziplinen in medizinischen Fakultäten in Bayern

Corinna Haupt - Ludwig-Maximilians-Universität, Biomedizinisches Centrum München, Lehrstuhl Physiologische Genomik, München, Deutschland
Marjo Wijnen-Meijer - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Dresden, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Die dem englischen Sprachraum entnommene Bezeichnung „Teacher Identity“ reflektiert unter anderem die eigene Einstellung zur Lehre, spiegelt aber auch die gelebte Lehrkultur wider. Es ist davon auszugehen, dass die individuelle Einstellung zur Lehre und das eigene Engagement nicht nur einen Einfluss auf die Qualität des Unterrichtes nimmt, sondern auch darauf, wie man sich als Lehrende fühlt und mit welcher Motivation man in den Unterricht geht. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft oder die gemeinsame Teilnahme an Weiterbildungen kann diese Motivation unter Umständen positiv beeinflussen. Ziel der Studie war es, Zusammenhänge zwischen Teilnahmen an Weiterbildungen und Lehrerfahrung auf die Teacher Identity, das Interesse/Vergnügen an der Tätigkeit als Lehrende*r, die Rolle als Lehrende/r und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe zu untersuchen.

Methoden: Auf der Plattform SoSci Survey wurde ein Online-Fragebogen erstellt, der auf Items aus der Publikation von Kleist-Retzow [1] und aus dem Intrinsic Motivation Inventory [https://selfdeterminationtheory.org/questionnaires/] basierte. Über verschiedene Netzwerke wurden Dozierende der Medizinischen Fakultäten in Bayern zur Teilnahme aufgerufen.

Ergebnisse: Es konnten insgesamt 303 vollständig ausgefüllte Fragebögen in die Analyse einbezogen werden. Getestet wurde der Einfluss der Teilnahme an didaktischen Weiterbildungen auf die globale Teacher Identity, das Interesse/Vergnügen an der Tätigkeit, die Rolle als Lehrender und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Für all diese Variablen konnten signifikante Zusammenhänge mit der Teilnahme an didaktischen Weiterbildungen nachgewiesen werden. Für die Anzahl der Lehrjahre konnte auf keine der Variablen ein signifikanter Zusammenhang gezeigt werden. Hingegen zeigte sich, dass das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe den Effekt von didaktischen Weiterbildungen auf das Interesse/Vergnügen an der Tätigkeit mediiert. Und auch, dass das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe den Effekt von didaktischen Weiterbildungen auf die Rolle als Lehrender mediiert.

Diskussion: Die Teilnahme an didaktischen Weiterbildungen scheint die Einstellung zur Lehre positiv zu beeinflussen. Ein gesteigertes Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe ist eines davon. Dabei scheint es unerheblich, wie viele Lehrjahre an Erfahrung bestehen. Das Veranstalten von Weiterbildungen für Dozierende in der Medizin ist also ein wertvolles Werkzeug, mit dem man Einfluss auf die Lehrkultur an Medizinischen Fakultäten in Deutschland nehmen kann.

Take-Home-Message: Die Teilnahme an didaktischen Weiterbildungen stärkt die Teacher Identity, das Interesse/Vergnügen an der Tätigkeit als Lehrender, das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe und das Rollenempfinden. Weiterbildungsangebote sollten daher qualitativ und quantitativ ausgebaut werden, Dienstzeit für die Teilnahme an einer solchen Maßnahme sollte zur Verfügung gestellt werden und eine mögliche Verpflichtung zur Teilnahme sollte in Dienstbeschreibungen aufgenommen werden.


Literatur

[1] von Kleist-Retzow JC, Oberste-Frielinghaus M, Pudritz Y, Epstein N, Bosse HM, Grigull L, Lutz T, Steinweg B, Tutdibi E, Fischer MR. Selbstbild von Kinderärzten als Lehrende an Universitätskliniken in Deutschland. Monatsschr Kinderheilkd. 2023. DOI: 10.1007/s00112-023-01880-x