Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Lernwirksamer Unterricht am Patienten aus Perspektive von Medizinstudierenden – eine Interviewstudie
Text
Hintergrund: UaP wird von Studierenden als relevantes, lernförderliches Format eingeschätzt. Zugleich benennen Studierende, dass das Potenzial von UaP nicht immer ausgeschöpft wird [1]. Vorwiegend aus dem US-Kontext werden Zeitdruck im klinischen Alltag, unzureichende Lehrkompetenzen der klinischen Lehrperson sowie studentische Zurückhaltung z.B. aus Angst vor Blamage als Gründe beschrieben [2]. Für den deutschsprachigen Raum liegen bislang – nach unserer Kenntnis – keine Studien zur lernwirksamen Gestaltung von UaP aus Studierendenperspektive vor.
Zielsetzung: Die beschriebene Forschungslücke adressieren wir mit einer Interviewstudie zur Wahrnehmung von UaP durch Medizinstudierende hinsichtlich (a) ihrer Lernziele für UaP (b) der erlebten Umsetzung sowie (c) Kriterien für eine lernwirksame Gestaltung von UaP aus studentischer Perspektive.
Methode: Im Sommersemester 2025 wurden mit N=26 Studierenden in Semester 5-10 im Modellstudiengang Humanmedizin der Universität Augsburg leitfragengestützten Interviews durchgeführt. Nach schriftlichem Einverständnis wurden die Interviews als Audiodatei aufgezeichnet, mit der Software Adobe Premiere Pro KI-gestützt verbatim transkribiert und von der Erstautorin manuell korrigiert. Aktuell erfolgt die Auswertung der Interviews nach Kuckartz und Rädiker [3]. In einer mehrphasigen Kodierung werden teils deduktiv Kategorien entlang des Interviewleitfadens und aus der aktuellen Literatur heraus erarbeitet; teils werden Kategorien induktiv aus dem Datenmaterial gebildet.
Ergebnisse und Diskussion: Aktuell liegen bereits Auswertungen von n=15 Interviews vor. Exemplarische Ergebnisse zu Lernzielen, die sich Studierende für UaP setzen, lassen sich in sechs Hauptkategorien zusammenfassen:
- Theorie & Praxis Verknüpfung;
- Erlernen und Vertiefen ärztlicher Kompetenzen;
- Erleben und Vertiefen von Krankheitsbildern;
- Klinischen Alltag erleben;
- UaP als Vorbereitung für die Prüfung und
- Lernerfahrungen in der Gruppe.
Am häufigsten werden Aspekte der ärztlichen Kompetenzen genannt, insbesondere das Erlernen und Vertiefen von Anamnese, körperlicher Untersuchung und differentialdiagnostischem Denken. Es ist anzunehmen, dass Studierende diese für sich angestrebten Lernziele im UaP benennen, da sie diese als Schwerpunkte in UaP erlebt haben. Diese Annahme spiegelt sich in (b) der tatsächlich erlebten Umsetzung von UaP wider. Hier berichten die Studierenden über einen häufigen Schwerpunkt auf der Anamnese im UaP, für welche sich Studierende allerdings mehr Feedback wünschen, um sich weiterentwickeln zu können. Auf der Tagung werden die Ergebnisse des gesamten Samples zu (a) bis (c) präsentiert und diskutiert.
Take-Home-Message: Aus der qualitativen Analyse der studentischen Perspektive auf UaP werden Implikationen für die Weiterentwicklung von medizindidaktischen UaP-Trainings gezogen – etwa eine stärkere Sensibilisierung von Lehrpersonen für das Erfragen studentischer Lernziele und das Schaffen von Lerngelegenheiten über die Anamnese hinaus.
Literatur
[1] Peters M, Ten Cate O. Bedside teaching in medical education: a literature review. Perspect Med Educ. 2014;3(2):76-88. DOI: 10.1007/s40037-013-0083-y[2] Williams KN, Ramani S, Fraser B, Orlander JD. Improving bedside teaching: Findings from a focus group study of learners. Acad Med. 2008;83(3):257-264. DOI: 10.1097/ACM.0b013e3181637f3e
[3] Kuckartz U, Rädiker S. Qualitative Inhaltsanalyse: Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim, München: Beltz Juventa; 2022.



