Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Unterschiede in der Kommunikationskompetenz im Medizinischen Curriculum der Ludwig-Maximilians-Universität München
Text
Hintergrund/Fragestellung: Kommunikative Kompetenz ist ein zentrales Lernziel medizinischer Curricula und wesentlicher Bestandteil ärztlicher Professionalität. Longitudinale Kommunikationscurricula im Medizinstudium sollen die Kompetenzentwicklung stufenweise sicherstellen. Trotz der etablierten Implementierung kommunikativer Trainings sind kursstufenbezogene Unterschiede bislang unzureichend untersucht [1], [2]. Unterscheiden sich selbsteingeschätzte Kompetenzen zwischen Kursstufen und welche Rolle spielt Feedback dabei? Zusammenhänge zwischen Kompetenz, Kursstufe und Feedback werden analysiert.
Methoden: Ausgewertet wurden Evaluationsdaten longitudinaler Kurse zur Patientenorientierten Kommunikation (POK) im klinischen Abschnitt des Medizinstudiums an der LMU München, basierend auf 5-stufig Likert-skalierten Items. Die POK-Kurse bauen curricular aufeinander auf und beinhalten im Studienverlauf zunehmend anspruchsvollere und komplexere kommunikative Gesprächssituationen. Die Stichprobe umfasste Studierende aus den aufeinanderfolgenden Kursdurchläufen SoSe 2024 (n=86; Rücklauf ca. 35%), WS 2024/25 (n=63; Rücklauf ca. 24%) und SoSe 2025 (n=84; Rücklauf ca. 31%). Drei Skalen (kursbezogene Kommunikationskompetenz, übergreifende Kommunikationskompetenz und Feedback) wurden gebildet und reliabilitätsgeprüft. Feedback wurde als wahrgenommener Nutzen des im Kurs erhaltenen Feedbacks operationalisiert. Die Auswertung erfolgte mittels ANOVA und ANCOVA.
Ergebnisse: Der Unterschied der kursbezogenen Kommunikationskompetenz war im letzten im Vergleich zum ersten Kurs statistisch knapp nicht signifikant (M=4.65 vs. 4.45; p=0.053; η²=0.03). Für die übergreifende Kommunikationskompetenz ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Das Ansprechen von Unsicherheiten gegenüber Vorgesetzten wurde über alle Kursstufen hinweg am niedrigsten eingeschätzt. Das Feedback zeigte einen signifikanten Zusammenhang mit der kursbezogenen Kommunikationskompetenz (p<0.001; η²=0.32).
Diskussion: Die Ergebnisse deuten auf eine mögliche Zunahme wahrgenommener Kompetenz im Kurskontext – trotz steigender kommunikativer Anforderungen – bei gleichzeitig stabiler übergreifender Kommunikationskompetenz hin. Feedback erweist sich als zentraler Einflussfaktor und unterstreicht die Relevanz feedbackbasierter Lernprozesse in longitudinalen Kommunikationscurricula. Selbsteinschätzungen können als ergänzendes Evaluationsinstrument zur differenzierten Analyse und Weiterentwicklung patientenorientierter Lehre beitragen.
Take-Home-Messages:
- Longitudinale Kommunikationscurricula fördern kursbezogene Selbsteinschätzungen.
- Feedback steht in starkem Zusammenhang mit kursbezogener Kompetenz.
- Selbsteinschätzungen liefern Ansatzpunkte für die curriculare Weiterentwicklung.
Literatur
[1] Zöll L, Deschner J, Hollinderbäumer A, Nowak T, Zajontz T, Behling L, Fischbeck S, Schmidt U, Pfeiffer-Grötz T. The effects of communication training on communication competence - a 360° evaluation. BMC Med Educ. 2025;25(1):1128. DOI: 10.1186/s12909-025-07676-9[2] Zerbini G, Reicherts P, Reicherts M, Roob N, Schneider P, Dankert A, Greiner SK, Kadmon M, Lechner V, Roos M, Schimmel M, Strube W, Temizel S, Uhrmacher L, Kunz M. Communication skills of medical students: Evaluation of a new communication curriculum at the University of Augsburg. GMS J Med Educ. 2024;41(3):Doc26. DOI: 10.3205/zma001681



