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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Interdisziplinäre Perspektiven in der ärztlichen Gesprächsführung: Entwicklung, Evaluation und prospektive Untersuchung eines digitalen Lehrmoduls zur anästhesiologischen Aufklärung im Pflichtpraktikum der Universitätsmedizin Mainz (UM)

Luna M. Rauer - Universitätsmedizin Mainz, Rudolf Frey Lernklinik, Mainz, Deutschland
Jessica Brendli - Universitätsmedizin Mainz, Rudolf Frey Lernklinik, Mainz, Deutschland
Irina Staib-Lazarzik - Universitätsmedizin Mainz, Rudolf Frey Lernklinik, Mainz, Deutschland
Kevin Strelow - Universitätsmedizin Mainz, Rudolf Frey Lernklinik, Mainz, Deutschland
Kai-Uwe Strelow - Universitätsmedizin Mainz, Rudolf Frey Lernklinik, Mainz, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Ärztliche Aufklärungsgespräche erfordern patientenzentrierte, verständliche und fachübergreifend konsistente Kommunikation. In der medizinischen Ausbildung werden sie meist disziplinspezifisch vermittelt, obwohl insbesondere bei operativen Eingriffen ein enger Übergang zwischen chirurgischer und anästhesiologischer Aufklärung besteht.

Im Praktikum der ärztlichen Gesprächsführung im 1. klinischen Semester äußerten Studierende wiederholt Bedarf an vertieften anästhesiologischen Inhalten im Kontext des simulierten Patientenkontakts. Ziel der Forschungsarbeit ist, zu untersuchen, ob strukturierte interdisziplinäre Einblicke die wahrgenommene Kompetenz, Sicherheit und Qualität der Patientenkommunikation verbessern.

Methoden: Auf Basis der Bedarfsanalyse wurde ein digitales, asynchrones Lehrmodul zur anästhesiologischen Aufklärung entwickelt. Das Modul umfasst eine Vorlesung mit Folien, ein formatives Quiz sowie zwei kontrastierende Beispielvideos eines formal korrekten und eines defizitären Gesprächs. Die Pilotimplementierung erfolgte im SoSe 2025. Die Evaluation mittels standardisiertem Fragebogen (Likert-Skala 1-6; 1=stimme voll zu, 6=stimme überhaupt nicht zu) erfasste Didaktik, Praxisrelevanz, Materialqualität, subjektiven Kompetenzerwerb und Gesamteindruck.

Aufbauend auf den Ergebnissen wird im SoSe2026 Semester eine prospektive Interventionsstudie mit Kontrollgruppe durchgeführt. Studierende absolvieren Praktikum und Prüfung entweder ohne oder mit vorgeschaltetem anästhesiologischem Lehrmodul. Primäre Endpunkte sind standardisierte Prüfungsbewertungen und Selbsteinschätzungen.

Ergebnisse: In der Pilotphase zeigte sich hohe Zufriedenheit mit Struktur, Verständlichkeit und Praxisrelevanz sowie subjektiver Wissenszuwachs. 88 von 91 Datensätzen wurden ausgewertet. Struktur, Verständlichkeit und Didaktik wurden sehr positiv bewertet (MW 1,52-2,17), die Praxisrelevanz mit MW 1,58-1,73; 89% bestätigten klare klinische Bezüge. Der subjektive Wissenszuwachs lag bei MW 2,17 (SD 1,04), die Reflexion professionellen Gesprächsverhaltens bei MW 2,16 (SD 1,02). Der Gesamteindruck betrug 5,17 (SD 0,80; 6=sehr gut), 85% vergaben Note 1 oder 2.

Kritisch genannt wurde der späte Freischaltzeitpunkt. Eine frühere Integration geht mit höheren Akzeptanzwerten einher. Die Ergebnisse der Interventionsstudie werden im August 2026 erwartet.

Diskussion: Die Pilotdaten deuten darauf hin, dass interdisziplinäre Lehrformate die subjektive Handlungssicherheit und Gesprächskompetenz im Patientenkontakt stärken. Die prospektive Prüfung objektivierbarer Effekte auf Prüfungsleistung und Gesprächsqualität ist daher der konsequente nächste Schritt.

Take-Home-Messages: Interdisziplinäre Lehrmodule fördern patientenzentrierte Gespräche. Dabei ist ihre frühzeitige Integration entscheidend für Wirksamkeit und Akzeptanz. Die Verknüpfung chirurgischer und anästhesiologischer Sichtweisen spiegelt die klinische Realität und verbessert die ärztliche Aufklärung.