Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Weiterentwicklung eines longitudinalen Kommunikationscurriculums durch Blended Learning: Ein strukturierter Implementierungs- und Evaluationsprozess
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Das longitudinale ärztliche Kommunikationstraining an der Universität Witten/Herdecke (UWH) wurde 2018 u.a. auf Basis des erweiterten Calgary-Cambridge Guide implementiert. Pro Semester gibt es eine Pflichtveranstaltung sowie freiwillige Veranstaltungen zu den Themen der ärztlichen Kommunikation, u.a. der motivierende Gesprächsführung (MI) [1]. Die Veranstaltungen begannen mit einem interaktiven Input zu den theoretischen Grundlagen bevor die Studierenden in Rollenspielen oder mit Simulationspersonen das Gelernte anwenden konnten. Obwohl die Studierenden das Curriculum überwiegend positiv bewerteten, waren sie oft nicht gut vorbereitet. Daher begannen wir einen strukturierten Prozess zur Weiterentwicklung des Curriculums mit folgenden Leitfragen:
- Welche Herausforderungen gibt es aktuell im Curriculum und was läuft gut?
- Welche Änderungen können wir umsetzen, um die Herausforderungen zu adressieren?
- Inwiefern verbessern die implementierten Änderungen die identifizierten Herausforderungen?
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Basierend auf den sechs Schritte der Curriculumsentwicklung von Kern [2] führten wir eine Bedarfserhebung in Form von 13 semistrukturierten Interviews mit Lehrenden und Studierenden durch und diskutierten die Ergebnisse. Ein zentrales Ergebnis war die Weiterentwicklung von Lehrveranstaltungen zu einem Blended Learning (BL) Format [3], u.a. um die Vorbereitung der Studierenden zu formalisieren, ihnen mehr Zeit zwischen der Vermittlung von Theorie und Simulation zu geben und mehr digitale Ressourcen zum Üben bereitzustellen.
Ergebnisse: Zunächst stellten wir zum WiSe 24/25 die Veranstaltung zu MI im 6. Semester auf ein BL-Format mit einer verpflichtenden Vorbereitung im Lernmanagementsystem Moodle der UWH um. Neben der Theorie stellten wir Quizfragen und Videos mit Anwendungsaufgaben bereit. Die Evaluationsergebnisse von SoSe 23 bis WiSe 25/26 zeigen keinen signifikanten Unterschied in der positiven Gesamtbewertung zwischen den Semestern mit und ohne BL. Die qualitative Auswertung der Freitextantworten zeigt eine höhere Zufriedenheit mit dem Zeitmanagement. Spezifische Fragen zur asynchronen Vorbereitung wurden mit sehr gut – gut bewertet. Nach der erfolgreichen Umsetzung der MI Veranstaltung stellten wir in den folgenden Semestern alle Pflichtveranstaltungen um und verwendeten wenn möglich Open Educational Resources (OER), z.B. von eKommMed.NRW.
Diskussion: Mit der Umsetzung eines BL-Formates konnten wir einige der erhobenen Bedarfe, wie z.B. eine bessere Vorbereitung der Studierenden, adressieren, wobei die positive Evaluation der Veranstaltung weiterhin besteht. Es zeigte sich aber, dass durch das BL-Format ein Trainingsbedarf von Lehrenden hinsichtlich des Übergangs von asynchroner Phase zur Präsenzveranstaltung entstand.
Take-Home-Message: BL verbesserte in unserem Projekt die Lernorganisation der Studierenden und unterstützt eine nachhaltige Weiterentwicklung von Kommunikationscurricula.
Literatur
[1] Kiessling C, Mennigen F, Schulte H, Schwarz L, Lutz G. Communicative competencies anchored longitudinally – the curriculum “personal and professional development” in the model study programme in undergraduate medical education at the University of Witten/Herdecke. GMS J Med Educ. 2021;38(3):Doc57. DOI: 10.3205/zma001453[2] Thomas PA, Kern DE, Hughes MT, Tacket SA, Chen BY. Curriculum Development for Medical Education: A Six-Step Approach. Baltimore (MA): JHU Press; 2022.
[3] Kyaw BM, Posadzki P, Paddock S, Car J, Campbell J, Tudor Car L. Effectiveness of Digital Education on Communication Skills Among Medical Students: Systematic Review and Meta-Analysis by the Digital Health Education Collaboration. J Med Internet Res. 2019;21(8):e12967. DOI: 10.2196/12967



