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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

„Aktzeichnen im Medizinstudium (AiMs)“ – eine Kooperation des Instituts für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin (DAM) mit der Akademie der Bildenden Künste München (AdBK)

Thomas Bischoff - LMU Klinikum, LMU München, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin (DAM), München, Deutschland
Anke Doberauer - AdBK München, Akademie der Bildenden Künste München (AdBK), München, Deutschland
Jörg Besser - AdBK München, Akademie der Bildenden Künste München (AdBK), München, Deutschland
Markus Berndt - LMU Klinikum, LMU München, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin (DAM), München, Deutschland

Text

Problembeschreibung/Zielsetzung: Die zeichnerische Auseinandersetzung mit einem Aktmodell im Raum erfordert eine gute Beobachtung, Analyse und räumliche Zuordnung und ist ein vielschichtiger und komplexer Vorgang, der hohe Konzentration, innere Ruhe und eine feinmotorische Übersetzung erfordert [1]. Ziel des Wahlfachs ist es, Medizinstudierende auf eine individuelle und anschauliche Weise mit der Anatomie und Physiognomie des Menschen vertraut zu machen und bereits erworbenes anatomisches Wissen zu festigen [2]. Zudem sollen wichtige Fertigkeiten wie Feinmotorik, Koordination, und räumliche Wahrnehmung trainiert und Stress abgebaut werden.

Projektbeschreibung: Seit dem Sommersemester 2024 zeichnen bis zu 20 Studierende der Medizinischen Fakultät der LMU München im Rahmen des Pflichtwahlseminars/Wahlfachs „AiMs“ (8 Sitzungen à 3 UE) gemeinsam mit Kunststudierenden der AdBK im Aktsaal der AdBK unter professioneller künstlerischer Anleitung an unterschiedlichen Aktmodellen den menschlichen Körper. Der Fokus liegt hierbei auf dem Bezug zu medizinischen und künstlerischen Aspekten wie Anatomie, Skelettaufbau, Physiognomie, Licht und Schatten, Figur im Raum oder Größenverhältnisse. Die Prüfung der Lehrinhalte wird im Rahmen einer abschließenden Bildvorstellung anhand fünf repräsentativer, von den Medizinstudierenden selbstgewählter Arbeiten erläutert und individuell vom Dozierenden auf Basis der Auswahl, Vorkenntnisse und Lernfortschritte bewertet.

Evaluationsmethoden/Ergebnisse: In den im SoSe 24 bis WiSe 25/26 durchgeführten Online-Evaluationen mit 19 geschlossenen Fragen aus 5 Kategorien und 5 offenen Fragen (erfasste Fragebögen insgesamt N=56) ergaben eine exzellente Gesamtbewertung des Kurses (M=1.05, SD=0.23). Wichtige Aspekte für die spätere ärztliche Tätigkeit wie anatomisches Verständnis (N=54, M=1.89, SD=0.90), räumliche Wahrnehmung (N=54, M=1.17, SD=0.47) und Umgang mit Nacktheit (N=54, M=1.35, SD=0.81) wurden als deulich verbessert beurteilt (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]). Den Austausch mit Kunststudierenden sowie die Örtlichkeit in der AdBK empfanden die Medizinstudierenden als bereichernd.

Tabelle 1: Gesamtbewertung der Lehrveranstaltung und zentraler Lernziele

Diskussion: Durch den fortschreitenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Virtueller Realität, Augmented Reality oder OP-Robotern, kommt dem Trainieren von Fertigkeiten (Abstimmung, Beweglichkeit der Arme und Hände, Zuordnung von Objekten im Raum) sowie Achtsamkeit, Ideenreichtum, Kreativität und der Fähigkeit zum Stressabbau für den Krankenhausalltag große Bedeutung zu. Zudem ermöglicht das Aktzeichnen eine direkte Auseinandersetzung mit eventuell nicht idealtypischer Anatomie und dem Umgang mit Nacktheit [3].

Take-Home-Messages: Aktzeichnen im Medizinstudium wird von den Studierenden sehr gut angenommen, als gewinnbringend beurteilt und insgesamt exzellent bewertet. In einem Blick „out of the box“ gelingt die Verbesserung von Fertigkeiten und Softskills sowie die Vertiefung anatomischer Kenntnisse.


Literatur

[1] Shapiro J, Rucker L, Beck J. Training the clinical eye and mind: using the arts to develop medical students’ observational and pattern recognition skills. Med Educ. 2006;40(3):263-268. DOI: 10.1111/j.1365-2929.2006.02389.x
[2] James C, O’Connor S, Nagraj S. Life Drawing for Medical Students: Artistic, Anatomical and Wellbeing Benefits. MedEdPublish. 2017;6:103. DOI: 10.15694/mep.2017.000103
[3] Phillips PS. Running a life drawing class for pre-clinical medical students. Med Educ. 2000;34(12):1020-1025. DOI: 10.1111/j.1365-2923.2000.00692.x