Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
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Patientensicherheit Interaktiv: Der „Room of Horrors“ als Mixed-Reality-Lernumgebung
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Patientensicherheit bleibt eine zentrale Herausforderung im Gesundheitswesen, da unsichere Versorgungsbedingungen zu vermeidbaren Ereignissen beitragen [1]. Während die medizinische Ausbildung oft theoretisches Wissen vermittelt, fehlt es den Studierenden häufig an praktischer Kompetenz, um klinische Risiken zu erkennen [2]. Der Room of Horrors ist ein Simulationstraining, in dem Lernende bewusst platzierte Gefahren in einer simulierten Patientenumgebung identifizieren. Obwohl die Methode als lehrreich und hilfreich bewertet wird [3], erfordert sie erheblichen Vor- und Nachbereitungsaufwand sowie Betreuung. Ziel dieses Projektes war es, zu untersuchen, ob und wie sich der Room of Horrors technisch in eine digitale Lernumgebung übertragen lässt und ob dieser von Nutzenden akzeptiert wird.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Im Projekt wurde eine Mixed-Reality (MR) Anwendung in Unity entwickelt, die mittels Meta Quest 3 Headsets eine kollaborative Multi-User-Nutzung ermöglicht (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). Die Anwendung integriert virtuelle Objekte räumlich kohärent in die physische Umgebung der Nutzenden. Um aktive Entscheidungsprozesse der Teilnehmenden zu fördern, enthält das Szenario acht fotorealistische Objekte (fünf Fehler, drei Nicht-Fehler), die mittels Photogrammetrie erstellt wurden.
Abbildung 1: Kollaborative Erkundung im MR Room of Horrors: Zwei Studierende erkunden kollaborativ den MR Room of Horrors
Dabei kann z. B. ein*e Teilnehmende*r Informationen aus der Patientenakte vorlesen, während ein*e andere*r mit den Objekten im Raum interagiert.
Das Projekt wurde durch Lehrende und Tutor*innen initial bezüglich der Nutzbarkeit und der Integration virtueller Objekte in die Umgebung evaluiert. Anschließend erfolgte die Pilotierung innerhalb einer Lehrveranstaltung mit Studierenden und Auszubildenden. Zudem wurde qualitatives Feedback mittels semi-strukturierter Interviews erhoben.
Ergebnisse: Die MR-Anwendung wurde von Lehrenden, Tutor*innen, Studierenden und MFA-Auszubildenden (n=35) evaluiert. Die realistische Integration der virtuellen Objekte und der Spaßfaktor wurden besonders positiv bewertet. Der SUS-Score lag bei 85, was einer adjektiven Bewertung von gut bis exzellent entspricht. Kritische Punkte waren versehentliches Anklicken falscher Optionen und Interaktionsprobleme mit virtuellen Objekten. Gewünscht wurden detailliertere Objektinteraktionen und mehr Inhalte.
Diskussion: Die Evaluation bestätigt zunächst die technische Umsetzbarkeit des MR Room of Horrors. Zudem zeigt sie, dass das Format bereits als Prototyp von Lernenden akzeptiert wird. Die positive Resonanz weist auf ein Integrationspotential in der medizinischen Ausbildung hin. Technische und didaktische Optimierungen sind erforderlich, um die Akzeptanz zu erhöhen. Künftige Arbeit sollte die Funktionalität ausbauen und die Flexibilität der Anwendung erhöhen.
Take-Home-Messages: Dieses Projekt zeigt, dass MR den Room of Horrors um ein flexibles, immersives Training ergänzen kann, dass die Sensibilisierung für Patientensicherheit unterstützt. Benutzerfreundlichkeit, didaktische Integration und technische Stabilität sind dabei entscheidend, um Akzeptanz und Wirksamkeit zu sichern.
Literatur
[1] World Health Organization. Global Patient Safety Action Plan 2021-2030: Towards Eliminating Avoidable Harm in Health Care. 1st ed. Geneva: World Health Organization; 2021.[2] Farnan JM, Gaffney S, Poston JT, Slawinski K, Cappaert M, Kamin B, Aroar VM. Patient safety room of horrors: a novel method to assess medical students and entering residents’ ability to identify hazards of hospitalisation. BMJ Qual Saf. 2016;25(3):153-158. DOI: 10.1136/bmjqs-2015-004621
[3] Löber N, Garske C, Rohe J. Room of horrors - ein low-fidelity Simulationstraining für patientensicherheitsrelevante Gefährdungspotentiale im Klinikalltag [Room of horrors: A low-fidelity simulation practice for patient safety-relevant hazards of hospitalization]. Z Evidenz Fortbild Qual Gesundhwes. 2020;153-154:104-110. DOI: 10.1016/j.zefq.2020.05.010



