Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Haben Promotionsbetreuende in der Komplementären und Integrativen Medizin (KIM) ein anderes Selbstverständnis? Eine Online-Querschnittserhebung an deutschen medizinischen Fakultäten
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Hintergrund/Fragestellung: Medizinische Promotionen werden häufig wegen unzureichender Qualitätsstandards und hoher Abbruchquoten kritisiert, oft im Zusammenhang mit mangelnder Betreuung und Arbeitsbedingungen [1]. Während aktuelle Erhebungen die Situation deutscher Promovierender beleuchten [2], gibt es kaum Erkenntnisse zur Perspektive der Betreuenden – insbesondere im Bereich der Komplementären und Integrativen Medizin (KIM). Die Wahrnehmung der Betreuungssituation von Betreuenden und Promovierenden unterscheidet sich vor allem im Hinblick auf Güte und Intensität der Betreuung [3]. Diese Studie untersucht erstmals bundesweit die Perspektive der Betreuenden im Bereich KIM und vergleicht deren Einstellungen zu Betreuungsaufgaben, Selbstwirksamkeit und institutioneller Unterstützung von Betreuenden anderer medizinischen Fachrichtungen.
Methoden: Ein Fragebogen mit 53 Fragen und Kommentarmöglichkeiten wurde von einem Expert*innenteam aus Promotionsbetreuenden entwickelt, in LimeSurvey umgesetzt und bundesweit über die Dekanate der medizinischen Fakultäten und relevante universitäre Netzwerke zur Teilnahme verbreitet. Erfasst wurden soziodemographische Daten, Erfahrungen als Promotionsbetreuende sowie Wünsche und Erwartungen an die eigene Betreuungsrolle und an die Promovierenden.
Ergebnisse: Es konnten 263 Fragebogen in die Studie eingeschlossen werden. 90% aller Befragten betreuten teilweise gerne bis sehr gerne. 47% forschten im Bereich KIM. Die KIM-Betreuenden fühlten sich dabei sicherer im Umgang mit den Promovierenden und sahen es eher als ihre Aufgabe an, die Promovierenden zu motivieren. Gleichzeitig erwarteten sie seltener Eigenmotivation der Promovierenden und kritisierten häufiger deren geringe Kenntnisse über wissenschaftliches Arbeiten.
Diskussion: Die Hauptunterschiede zwischen KIM- und Nicht-KIM-Betreuenden liegen in ihrer eigenen Motivation und der Wahrnehmung ihrer Rolle bei der Anleitung und Motivation ihrer Promovierenden. Insgesamt wurde ein klarer Ruf nach mehr institutioneller Unterstützung laut. Klar definierte Verantwortlichkeiten und die Anerkennung der Betreuung als eine Form der Lehre sind für die Zufriedenheit beider Gruppen entscheidend. In einer Folgebefragung soll nun untersucht werden, was Betreuende motiviert und welche Art von Unterstützung sie benötigen.
Take-Home-Messages: Sowohl KIM- als auch Nicht-KIM-Betreuende sind mit ihrer Betreuungsarbeit zufrieden. KIM-Betreuende fühlen sich im Umgang mit ihren Promovierenden wohler und sehen ihre Rolle klarer darin, ihre Promovierenden zu motivieren und wissenschaftlich anzuleiten.
Literatur
[1] HRK German Rectors’ Conference. On quality assurance for doctoral degrees in medicine. Recommendation of the 21st General Assembly of the HRK, 8 November 2016. Mainz: HRK German Rectors’ Conference; 2016. 2016. Zugänglich unter/available from: https://www.hrk.de/resolutions-publications/resolutions/beschluss/detail/on-quality-assurance-for-doctoral-degrees-in-medicine/[2] Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs. Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021. Statistische Daten und Forschungsbefunde zu Promovierenden und Promovierten in Deutschland. Bielefeld: wbv Publikation; 2021.
[3] Can E, Richter F, Valchanova R, Dewey M. Supervisors’ perspective on medical thesis projects and dropout rates: survey among thesis supervisors at a large German university hospital. BMJ Open. 2016;6(10):e012726. DOI: 10.1136/bmjopen-2016-012726



