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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Teacher Identity im Wandel: Zur Entwicklung reflektierter Lehrkompetenz in der medizindidaktischen Weiterbildung

Clara Storm - LMU Klinikum, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin, München, Deutschland
Martin R. Fischer - LMU Klinikum, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin, München, Deutschland
Johanna Huber - LMU Klinikum, Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin, München, Deutschland

Text

Hintergrund/Fragestellung: Mit dem Wandel ärztlicher Rollenbilder verändern sich auch Anforderungen an die Lehrendenrolle in der medizinischen Ausbildung. Neben methodischer Expertise gewinnen Reflexionsfähigkeit, Rollenbewusstsein und die Gestaltung lernerzentrierter Prozesse an Bedeutung. Die qualitative Studie untersucht, wie sich reflektierte Lehrkompetenz bei medizinischen Lehrenden nach der Teilnahme am 60 Arbeitseinheiten umfassenden strukturierten medizindidaktischen Kurs „MeCuM Intensiv-Seminar Lehre (InSeL)“ der LMU München entwickelt.

Im Fokus stehen zwei Fragen:

  1. Wie beschreiben Lehrende ihre Lehrpraxis hinsichtlich Lernerzentrierung und Methodenwahl?
  2. Wie reflektieren sie ihre Lehrpraxis und Rolle im Kontext ihrer professionellen Identitäts- und Kompetenzentwicklung und welche Konsequenzen ziehen sie für ihren zukünftigen Unterricht?

Methoden: Die Datengrundlage bilden 40 schriftliche Lehrprojektberichte von Teilnehmenden des InSeL-Programms aus dem Zeitraum März 2018 bis September 2019. Die Berichte entstanden in der Transferphase, in der im Präsenzkurs entwickelte Lehrkonzepte im darauffolgenden Semester erstmals umgesetzt und reflektiert wurden. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse. Als analytische Bezugsrahmen dienten die ICAP-Taxonomie [1] zur Kategorisierung des Aktivitätgrads von Lernaktivitäten sowie ein erweitertes Reflexionsmodell auf Basis des ALACT-Modells [2].

Ergebnisse: Nach der Weiterbildung berichten Lehrende über eine erweiterte Methodenvielfalt und verstärkt dialogorientierte, aktivierende Lehrformate. Zugleich zeigt sich eine vertiefte Rollenreflexion: Lehrende verstehen sich zunehmend als Lernprozessbegleitende und Mitgestaltende professioneller Entwicklung. Reflexion umfasst nicht nur methodisches Handeln, sondern auch Haltungen, berufliche Identität und Kontextbedingungen.

Diskussion: Die Ergebnisse legen nahe, dass strukturierte medizindidaktische Kurse mit Transferphasen Entwicklungsprozesse anstoßen, die über den Erwerb einzelner Methoden oder messbare Kompetenzzuwächse hinausgehen. Methodenvielfalt und Lernerzentrierung waren nicht nur didaktische Strategien, sondern auch Ausdruck eines veränderten Rollenverständnisses. Lehrentwicklung als Teil professioneller Transformation zeigte sich als fortlaufender, zyklischer Prozess zwischen Erfahrung, Reflexion und methodischer Weiterentwicklung. Gleichzeitig unterstrichen die Studienergebnisse die Notwendigkeit, die Perspektive von Lehrenden stärker in den Fokus medizindidaktischer Forschung rücken.

Take-Home-Messages:

  • Nachhaltige Lehrkompetenz erfordert neben Methodenkompetenz die bewusste Reflexion der eigenen Rolle.
  • Nachhaltige Lehrentwicklung entsteht im Zusammenspiel von Kompetenzentwicklung, individueller Haltung, institutionellem Kontext und professioneller Rollenklarheit.

Literatur

[1] Chi MT, Wylie R. The ICAP framework: Linking cognitive engagement to active learning outcomes. Educ Psychol. 2014;49(4):219-243. DOI: 10.1080/00461520.2014.965823
[2] Korthagen F, Kessels J, Koster B, Lagerwerf B, Wubbels T. Linking practice and theory: The pedagogy of realistic teacher education. Mahwah (NJ): Lawrence Erlbaum Associates; 2001. DOI: 10.4324/9781410600523