Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Diskriminerungserfahrungen und sexuelle Belästigung von Mitarbeitenden und Studierenden an einem großen Universitätsklinikum in Deutschland – eine Querschnittsstudie
Text
Hintergrund/Fragestellung: Diskriminierung und sexuelle Belästigung sind im Gesundheitswesen weit verbreitet. Bisherige Studien haben nur einzelne Berufsgruppen betrachtet. Hier sollen alle Personen, die an der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) arbeiten und/oder studieren, miteinbezogen werden. Ziel war es, zu erheben, ob sie Diskriminierung und sexuelle Belästigung erlebt haben, um zugrunde liegende Faktoren und Risikogruppen zu identifizieren.
Methoden: Die Befragung wurde im Mai 2025 online als anonyme prospektive Fragebogenstudie durchgeführt. Alle Mitarbeitenden, Auszubildenden und Studierenden der UMM (n=10.002) waren zur Teilnahme eingeladen. Es wurde erfragt, ob sie Diskriminierung und sexuelle Belästigung an der UMM erlebt haben, was die Gründe hierfür waren und von welchen Personen die diskriminierenden Verhaltensweisen und sexuelle Belästigung ausging. Persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung wurden anhand der „Everyday Discrimination Scale“ (EDS) [1] erhoben. Subgruppenanalysen nach Geschlecht und Berufsgruppe wurden durchgeführt.
Ergebnisse: Die Rücklaufquote betrug 8,4% (n=840). Ein Anteil von 34,2% war der Ansicht, dass Diskriminierung sehr oft/oft vorkomme, 83,6% haben Diskriminierung selbst erlebt. Die Ergebnisse der EDS zeigten unterschiedliche Werte für die verschiedenen Berufsgruppen (F=5,325, p<0,001, η²=0,031), wobei Pflegekräfte die höchsten Werte aufwiesen (EDS 1-6, M=2,42), gefolgt von Studierenden (EDS 1-6, M=2,06). Bei den wissenschaftlichen Mitarbeitenden (EDS 1-6, M=1,93) waren die Werte am niedrigsten. Hauptgründe für persönlich erlebte Diskriminierung waren Geschlecht (31,9%, 224/702), Leistung (19,7%, 138/702) und Alter (14,5%, 102/702). Ein Anteil von 36,0% aller Teilnehmenden gab an, sexuelle Belästigung erlebt zu haben (Frauen: 42,6%, 269/632; Männer: 14,1%, 27/192). Der Anteil war bei den Pflegekräften (49,7%) und Studierenden (43,0%) am höchsten und bei den nichtmedizinischen Berufen (18,4%) am niedrigsten. Die Personen, von denen sexuelle Belästigung ausging, waren überwiegend männlich (92,1%, 278/302) und gehörten den Gruppen der Patient*innen (49,0%) oder Ärzt*innen (47,0%) an.
Abbildung 1 [Abb. 1]
Abbildung 1: Sexuelle Belästigung nach Tätigkeitsfeld und Geschlecht
Diskussion: Diskriminierungserfahrungen und sexuelle Belästigung wurden an der UMM von allen Berufsgruppen berichtet. Der Anteil war bei Frauen, Studierenden und Personen, die regelmäßig Kontakt zu Patient*innen haben, am höchsten. Die Ergebnisse bestätigen den dringenden Bedarf an Strategien zur Prävention und Sensibilisierung auf institutioneller Ebene, die Durchführung von Mitarbeitendenschulungen und transparenten Meldewegen, um ein sicheres und respektvolles Arbeits- und Lernumfeld zu fördern.
Take-Home-Messages:
- Jede dritte Person an der UMM hat sexuelle Belästigung erlebt, insbesondere weibliche Beschäftigte mit Patient*innenkontakt und Studentinnen.
- Maßnahmen zur Sensibilisierung und Aufklärung sind notwendig, um vor allem weibliche Beschäftigte und Studentinnen im Gesundheitswesen zu schützen.



