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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in medizinischen Prüfungen? Fairness und Chancengleichheit für den Karriereweg

Monika Himmelbauer - Medizinische Universität Wien, Teaching Center, Wien, Österreich
Perishan Smo - Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich

Text

Hintergrund/Fragestellung: Prüfungen sind ein wichtiger Teil der medizinischen und zahnmedizinischen Ausbildung. Sie zeigen, wie gut Studierende ihr Wissen und ihre Fähigkeiten anwenden können. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Prüfungen ist neben Standardisierung und Objektivität auch die Fairness der Leistungsfeststellung, da sie eine zentrale Voraussetzung für Chancengleichheit im Studium darstellt. Ziel dieser Arbeit war es, geschlechtsspezifische Unterschiede in Prüfungsleistungen und leistungsbezogenen Bewertungen in der medizinischen und zahnmedizinischen Ausbildung darzustellen und kritisch zu betrachten.

Methoden: Für diese Untersuchung wurde ein Scoping Review gemäß den PRISMA-ScR-Richtlinien durchgeführt. Die Literaturrecherche erfolgte in den Datenbanken PubMed, Scopus und Medline. Eingeschlossen wurden peer-reviewte Studien aus den Jahren 2000 bis 2025, die geschlechtsspezifischen Analysen von Prüfungsleistungen oder leistungsbezogenen Bewertungen bei Medizin- und Zahnmedizinstudierenden berichteten. Insgesamt wurden 18 Studien detailliert analysiert und qualitativ ausgewertet.

Ergebnisse: In manchen Studien wurden keine signifikanten Leistungsunterschiede festgestellt. Andere Studien berichten Leistungsvorteile für weibliche oder männliche Studierende, abhängig vom Prüfungsformat und Fachbereich. Frauen hatten in Kommunikationsprüfungen und in spezifischen klinischen Fächern (z.B. Frauenheilkunde, Psychiatrie) bessere Leistungen. Männer schnitten besonders bei True-False-Abstain-Formaten sowie bei summativen Prüfungen besser ab. Geschlechtsspezifische Unterschiede gab es auch im Risikoverhalten bei Prüfungen, in der Prüfungsangst und in der Selbsteinschätzung der eigenen Leistung.

Diskussion: Geschlechtsspezifische Unterschiede in Prüfungsleistungen lassen sich nicht monokausal durch das Geschlecht erklären, häufig gibt es moderierende Faktoren. So spielen Prüfungsformate, Bewertungsprozesse und psychosoziale Faktoren (wie Risikoverhalten und Prüfungsangst) eine wichtige Rolle. Für eine faire medizinische Ausbildung sind transparente, sorgfältig gestaltete Prüfungs- und Bewertungssysteme entscheidend – nicht nur für die Chancengleichheit im Studium, sondern auch für den weiteren Karriereweg.

Take-Home-Messages: Geschlechtsspezifische Unterschiede in Prüfungsleistungen existieren, sind aber heterogen und stark vom Prüfungsformat, Fachbereich und Kontext abhängig.

Psychosoziale Faktoren wie Risikoverhalten, Prüfungsangst und Selbsteinschätzung tragen wesentlich zu beobachteten Leistungsunterschieden bei und sollten bei der Interpretation von Ergebnissen mitgedacht werden. Fair gestaltete, transparente und Bias-sensible Prüfungen sind eine Voraussetzung für echte Chancengleichheit im Studium – und beeinflussen damit mittelbar auch Karrierewege in der Medizin und Zahnmedizin.


Literatur

[1] Jacques L, Kaljo K, Treat R, Davis J, Farez R, Lund M. Intersecting gender, evaluations, and examinations: Averting gender bias in an obstetrics and gynecology clerkship in the United States. Educ Health (Abingdon). 2016;29(1):25-29. DOI: 10.4103/1357-6283.178926
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[3] Saiz Rodriguez A, Antoranz A, Cidoncha G, Pardo Monedero MJ, Muñoz-Corcuera M. Impact of the OSCE on anxiety levels and perceptions of dental students: a cross-sectional study. BMC Med Educ. 2025;25(1):1391. DOI: 10.1186/s12909-025-08012-x