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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Professional Identity Formation in der Anatomie: Pilotierung studentischer Reflexionsrunden zur Förderung von klugem Selbstmanagement mit Entwicklung eines Peer-Guides

Kornelia Kenst - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung (IMLA), Würzburg, Deutschland; Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Anatomie und Zellbiologie, Würzburg, Deutschland
Katrin Graber - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung (IMLA), Würzburg, Deutschland
Sarah König - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung (IMLA), Würzburg, Deutschland

Text

Problembeschreibung/Zielsetzung: Die Fähigkeit zur kritischen Reflexion gilt als Schlüsselkompetenz ärztlicher Professionalität und erfordert eine frühzeitige curriculare Implementierung. Insbesondere die Anatomie stellt Studierende in der Vorklinik durch hohen Stoffumfang, Prüfungsdichte und die ethische Verantwortung im Umgang mit Verstorbenen vor große Herausforderungen. Daher wurden moderierte Reflexionsrunden eingeführt. Ziel war die Analyse von deren Wirkung auf subjektive Entlastung, Selbstwirksamkeit und lernbezogene Selbstregulation im Präparierkurs sowie die Ableitung praxisnaher Strategien für einen Peer-Guide zu gesundem Lernen und Resilienz.

Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Im Rahmen einer Pilotphase wurden moderierte, leitfragenbasierte Reflexionsrunden zu den Themen „Prüfungsstress“ und „Lernen im Präparierkurs“ in freiwilligen, studentischen Kleingruppen durchgeführt. Der Austausch folgte den Phasen Assoziation, Reflexion und Lösungsentwicklung. Die Sitzungsprotokolle wurden mittels KI-gestützter qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Evaluation der Reflexionsrunden erfolgte unmittelbar im Anschluss mittels mündlicher Rückmeldungen der Teilnehmenden und Moderierenden.

Ergebnisse: Das Format der Reflexionsrunden wurde auf verschiedenen Bezugsebenen als hilfreich eingestuft (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). Durch soziale Validierung wurde eine unmittelbare emotionale Entlastung erzielt („Es geht allen so“). Die subjektive Selbstwirksamkeit wurde gefördert, von der Beschwerdekultur hin zur Lösungsorientierung mit Entwicklung von Strategien zur Stressbewältigung und gesundem Lernen. Mittels Peer-Coaching-Ansatz wurde diese um die kollektive Dimension erweitert. Aus den Beiträgen wurde ein Peer-Guide mit Tools zu Lernroutinen und Wissensmanagement generiert. Dieser diente auch Dozierenden zur Anpassung von Haltungen und Lehrmethoden. Zudem zeigte sich eine Förderung der professionellen Identitätsentwicklung der Teilnehmenden durch gestärkte Reflexionsfähigkeit, positive soziale Interaktion und erhöhte Motivation infolge der Einbettung klinischer Relevanz der Lerninhalte.

Abbildung 1: Gemeinsam reflektieren hilft

Diskussion: Das Pilotprojekt zeigte, dass Reflexion kein „Zusatz“, sondern eine Kernkompetenz für das Wissens- und Selbstmanagement im Medizinstudium darstellt. Die Reflexionsrunden entlarven dysfunktionale Bewältigungsmuster und ersetzen diese durch strategische Ansätze zur Förderung von Resilienz sowie lernbezogener Selbstregulation. Aufgrund der positiven Resonanz und des belegten Bedarfs wird das Format als feste Lernbegleitung in der Anatomie curricular verankert.

Take-Home-Messages:

  • Reflexion ist die Basis für die professionelle Identitätsentwicklung.
  • Reflexionsgruppen mit Peer-Coaching-Ansatz bieten sowohl individuelle Entlastung als auch kollektive Selbstwirksamkeit in belastenden Studienphasen.
  • Reflexionsformate sollten frühzeitig und regelmäßig curricular verankert werden.