Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Digitale Kompetenzen im klinischen Alltag: Konzeption und Implementierung eines Kompetenzrasters für Studierende der Humanmedizin
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Die digitale Transformation des Gesundheitswesens erfordert, dass Medizinstudierende bereits im Studium digitale Kompetenzen erwerben, etwa in Telemedizin, digitaler Dokumentation und KI-gestützter Diagnostik [1]. Am Standort Dresden wird ein longitudinales Curriculum für klinisch-digitale Kompetenzen entwickelt, das in bestehende Lehrveranstaltungen integriert wird. Studierende haben unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen. Zur Unterstützung individueller Lernprozesse entsteht daher ein Kompetenzraster für klinisch-digitale Kompetenzen (KDK), das als lernbegleitendes Selbsteinschätzungs- und Reflexionsinstrument dient und die individuelle Kompetenzentwicklung fördert.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: Aufbauend auf bestehenden Kompetenzrastern für Simulationslehre und Dozierenden-Qualifikation wird die Methodik erweitert, um digitale Kompetenzen longitudinal abzubilden und auf einen weiteren studentischen Kompetenzbereich zu übertragen.
Das Raster unterstützt die Selbstreflexion der Studierenden, sodass individuelle Stärken und Lernfelder identifiziert und daraus konkrete Lernbedarfe abgeleitet werden können [2]. Für die Konzeption wurden die im NKLM verankerten digitalen Kompetenzen identifiziert und an den Standort Dresden angepasst. Daraus entstanden 13 übergeordnete Kompetenzfelder mit spezifischen Teilkompetenzen. Für jede Teilkompetenz wurden klar beschriebene Niveaustufen anhand der Miller-Pyramide als „Can-Do“-Statements formuliert, was eine differenzierte Selbsteinschätzung und individuelle Entwicklungsplanung über das gesamte Studium hinweg ermöglicht.
Ergebnisse: Das KDK entsteht in einem mehrstufigen Prozess, wird in eine Lernumgebung integriert und technisch umgesetzt. Ergänzend wird eine Visualisierung der erreichten Kompetenzen entwickelt. Im Usability-Test (n=13) wird das KDK mit Dozierenden, Studierenden und Medizindidaktik-Expert*innen im Rahmen einer projektbegleitenden AG pilotiert und angepasst. Für Herbst 2026 ist eine Testung mit einer kleinen Studierendenkohorte geplant. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die weitere Überarbeitung, Implementierung und Evaluation.
Diskussion: Der begleitende Einsatz von Kompetenzrastern wird von Studierenden und Dozierenden am Standort Dresden als hilfreiches Werkzeug wahrgenommen. Die bisherige Evaluation zeigt zugleich hinderliche Faktoren, wie eingeschränkte Akzeptanz oder technische Herausforderungen bei der Darstellung. Diese Erkenntnisse sollen bei der weiteren Konzeption und Implementierung des KDK berücksichtigt werden, um Nutzerfreundlichkeit und Verständlichkeit zu optimieren.
Take-Home-Messages: Das KDK dient als lernprozessbegleitendes Instrument und unterstützt Studierende beim Erfassen und Reflektieren klinisch-digitaler Kompetenzen. Niveaustufen und „Can-Do“-Statements machen Lernfortschritte sichtbar und ermöglichen eine gezielte Förderung der Lernenden, die sich auch auf weitere studentische Kompetenzbereiche übertragen lässt.
Literatur
[1] Aulenkamp J, Mikuteit M, Löffler T, Schmidt J. Overview of digital health teaching courses in medical education in Germany in 2020. GMS J Med Educ. 2021;38(4):Doc80. DOI: 10.3205/zma001476[2] Eidt E. Kompetenzraster als Instrument der Kompetenzorientierung an Hochschulen: Konstruktion, Nutzungsmöglichkeiten und Diskussion. In: Cendon E, Donner N, Elsholz U, Jandrich A, Mörth A, Wachendorf N, Weyer E, editors. Die kompetenzorientierte Hochschule: Kompetenzorientierung als Mainstreaming-Ansatz in der Hochschule. 2017. p.35-41. DOI: 10.25656/01:14563



