Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Entwicklung und Testung einer OSCE-Station zur Patientenübergabe – eine Kohortenstudie an der Universitätsmedizin Mainz (UM) zur Bestimmung von Machbarkeit und Kompetenzentwicklung der Studierenden
Text
Hintergrund/Fragestellung: An der Universitätsmedizin Mainz (UM) und an der Medizinischen Fakultät Duisburg-Essen wurde das Thema Patientenübergabe (Handover) bis zum Erscheinen des NKLM 1.0 [1] (2015) nicht gelehrt. Auf Grund dieses Umstands initiierten die Rudolf Frey Lernklinik (RFLK) der Universitätsmedizin Mainz und das SkillsLab der Medizinischen Fakultät Duisburg-Essen ein gemeinsames Projekt. Ziel war die Entwicklung und Evaluation von Handover-Stationen für OSCE-Parcours. unter Einbeziehung von SPs. Die Implementierung erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt standortunabhängig.
Für die UM in Mainz wurde ein dreistufiges Lehrkonzept entwickelt, um in einer Interventionsstudie dessen Wirkung auf die Leistungserbringung zu evaluieren.
Methoden: Es wurden zwei Szenarien entwickelt, die sich an gängigen Standards orientierten – inklusive aller Materialien zur Vorbereitung und Durchführung [2] für Studierende, Dozenten und SPs. Zur Kompetenzmessung wurde ein bestehender Kriterienkatalog eingesetzt, der bislang in der medizinischen Weiterbildung genutzt wurde [3]. Er differenziert in der Bewertung zwischen Informationsweitergabe, gemeinsames Verständnis und Atmosphäre.
Die Datenerhebung erfolgte in Essen im Rahmen bestehender OSCE-Prüfungen im 5. und 8. Semester. Da Mainz zu diesem Zeitpunkt keine OSCE-Prüfungen durchführte, fand sie dort im Rahmen einer Vorbereitungsveranstaltung für PJ-Studierende unmittelbar nach Abschluss des M2 statt.
Aufgrund von Verzögerungen bei der Entwicklung eines OSCE-Parcours im Chirurgie-Praktikum (8. Semester) sowie coronabedingten Einschränkungen bei praktischen Übungen und Prüfungen konnte die Interventionsstudie – unter Berücksichtigung eines vollständig absolvierten Lehrkonzepts – erst im WiSe 2023/24 als Kohortenvergleich durchgeführt werden.
Ergebnisse: Aufgrund geringer Vorerfahrung erfüllten Studierende der Kohorten I–III (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]) erwartungsgemäß nur selten die Kompetenzanforderungen. Die Mittelwerte lagen nahe der Bestehensgrenze von 60% (12,0 Punkte). Der Ausbildungsstand (höhere Semester) zeigte dabei nur einen geringen Einfluss. Erst in Kohorte IV – nach Durchführung vorbereitender Lehreinheiten – erreichten Studierende das erwartete Kompetenzniveau (M=17,1, Max 20,0).
Tabelle 1: Leistungsdaten der Studierenden
Diskussion: Die Studie zeigt, dass geeignete, hinreichend komplexe Handover-Szenarien entwickelt, in OSCE-Parcours integrieren sowie durchführen und bewerten lassen. Für eine Kompetenzentwicklung im Sinne der Entrustable Professional Activities (EPAs) sind jedoch weitere Prüfungsformate erforderlich – insbesondere mit erweiterten Bewertungskriterien und eine verbesserte Standardisierung der Prüferurteile.
Take-Home-Message: Eine nachhaltige Förderung der Übergabekompetenz gelingt erst durch die Kombination aus strukturierter Lehre und simulationsbasierter OSCEs.
Literatur
[1] Medizinischer Fakultätentag (MFT). Nationaler Kompetenzbasierter Lernzielkatalog Medizin (NKLM). Berlin: MFT; 2016. Zugänglich unter/available from: https://www.gmds.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Empfehlungen_Veroeffentlichungen/150604_Lernzielkatalog_Medizin.pdf[2] Strelow KU, Buggenhagen H. Damit keine Information verloren geht… In: Jünger J, editor. Ärztliche Kommunikation - Praxisbuch zum Masterplan Medizinstudium 2020. Stuttgart: Schattauer Verlag; 2018. p.497-505.
[3] Pezzolesi C, Manser T, Schifano F, Kostrzewski A, Pickles J, Harriet N, Warren I, Dhillon S. Human factors in clinical handover: development and testing of a ’handover performance tool’ for doctors’ shift handovers. Int J Qual Health Care. 2013;25(1):58-65. DOI: 10.1093/intqhc/mzs076



