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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

Von der Klausur zur Lernarchitektur: Pilotierung von Programmatic Assessment in einem Modellstudiengang

Felix Joachimski - Universität Augsburg, Department of Medical Education, Augsburg, Deutschland
Paul Güntzel - Universität Augsburg, Department of Medical Education, Augsburg, Deutschland
Louisa Hecht - Universität Augsburg, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Augsburg, Deutschland
Marco Roos - Universität Augsburg, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Augsburg, Deutschland
Frederik Schelter - Universität Augsburg, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Augsburg, Deutschland
Christoph Schindler - Universität Augsburg, Department of Medical Education, Augsburg, Deutschland

Text

Problembeschreibung/Zielsetzung: Programmatic Assessment (PA) [1], [2], [3] ist international als evidenzbasiertes Konzept einer kompetenzorientierten Lern- und Prüfungsarchitektur gut etabliert. In Deutschland bestehen erhebliche Implementationsbarrieren, insbesondere hinsichtlich rechtlicher Rahmenbedingungen, Prüfungskultur, praktischer Umsetzbarkeit und Arbeitsaufwand.

Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: In einem zweimonatigen Studienabschnitt des dritten Studienjahres (Modellstudiengang Humanmedizin, Augsburg) wurde ein vollständiges PA-Modell als freiwillige Zusatzleistung zweimal pilotiert (n=91 und n=60 Studierende), inklusive reflektivem Portfolio, strukturierten Lernberichte, individuellem Coaching und abschließender Beurteilung in einem Student Progress Committe. Die Begleitforschung erfolgte mittels standardisierter (Feedbackorientierung, Wachstumsorientierung, Selbstwirksamkeit) und zielgruppenadaptierter Fragebögen für Studierende und Coaches, Analyse der Lernberichte, Interviews und Fokusgruppen.

Ergebnisse: Im ersten Durchlauf haben 76 von 91 Studierenden Lernbericht und Portfolio erstellt, die Daten des zweiten Durchlaufs stehen zum Einreichungszeitpunkt noch aus. Die Akzeptanz bei Studierenden, Coaches und SPC war insgesamt hoch (90,5%), trotz berichteter Mehrbelastung. Coaching wurde konsistent als lernwirksam beschrieben. Die Qualität der Lernberichte zeigte eine breite Varianz mit insgesamt hohem Reflexionsniveau. Messbare Veränderungen in Feedback-, Wachstumsorientierung oder Selbstwirksamkeit konnten nicht nachgewiesen werden. Es konnten wichtige Implementierungshürden identifiziert werden. Als zentrale kulturelle Barriere erwies sich die Sorge vor einer unzureichenden Vorbereitung auf das Staatsexamen (M2) bei relativer Reduktion klassischer Klausurformate.

Diskussion: PA ist im klinischen Studienabschnitt praktikabel implementierbar und muss vor allem kulturellen Herausforderungen begegnen. Die wahrgenommene Examensrelevanz klassischer Prüfungsformate beeinflusst Akzeptanz und Lernstrategien maßgeblich. Für eine nachhaltige Implementierung sind Transparenz und curriculare Einbettung entscheidend. Im nächsten Schritt wird PA vorrückensrelevant im vierten Studienjahr implementiert.

Take-Home-Message: Viele Sorgen, viel Arbeit, neues Lernen – Programmatic assessment ist machbar.


Literatur

[1] Bonvin R, Bayha E, Gremaud A, Blanc PA, Morand S, Charrrière I, Mancinetti M. Taking the Big Leap: A Case Study on Implementing Programmatic Assessment in an Undergraduate Medical Program. Educ Sci. 2022;12(7):425. DOI: 10.3390/educsci12070425
[2] Heeneman S, de Jong LH, Dawson LJ, Wilkinson TJ, Ryan A, Tait GR, Rice N, Torre D, Freeman A, van der Vleuten CP. Ottawa 2020 consensus statement for programmatic assessment - 1. Agreement on the principles. Med Teach. 2021;43(10):1139-1148. DOI: 10.1080/0142159X.2021.1957088
[3] de Jong LH, Bok HGJ, Schellekens LH, Kremer WD, Jonker FH, van der Vleuten CP. Shaping the right conditions in programmatic assessment: how quality of narrative information affects the quality of high-stakes decision-making. BMC Med Educ. 2022;22(1):409. DOI: 10.1186/s12909-022-03257-2