Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
Effektivität von KI-Tutor, Peer-Group-Learning und Selbststudium bei der Vorbereitung auf mündliche Testate in der Vorklinik
Text
Hintergrund/Fragestellung: Mündliche Prüfungen stellen eine zentrale Herausforderung in der vorklinischen Ausbildung dar. Zur Vorbereitung gewinnen neben dem traditionellen Selbststudium KI-gestützte Lernsysteme und kooperative Lernformate wie Peer-Group-Learning an Bedeutung. Systematische Vergleiche dieser Ansätze im Hinblick auf objektive Prüfungsleistungen sowie lernpsychologische Parameter sind bislang jedoch limitiert. Ziel der Studie ist es, am Beispiel der Lehre im Fach Biochemie, die Effektivität eines KI-Tutors und von Peer-Group-Learning im Vergleich zum klassischen Selbststudium hinsichtlich Prüfungsleistung, wahrgenommenem Stress, Lernzufriedenheit und Motivation zu untersuchen.
Methoden: Im SoSe 2026 wird eine monozentrische, randomisierte Within-Subjects-Crossover-Studie mit 120 Studierenden aus dem zweiten Fachsemester Humanmedizin durchgeführt. Alle Teilnehmenden durchlaufen drei zweiwöchige Lernzyklen mit den Bedingungen KI-Tutor, Peer-Group-Learning und Selbststudium in randomisierter Reihenfolge, getrennt durch Wash-out-Phasen zur Reduktion von Carry-over-Effekten. Nach jeder Lernphase erfolgt ein standardisiertes, verblindet abgenommenes mündliches Testat im Fach Biochemie. Primäre Endpunkte sind die Testatleistung, das Stresserleben (Perceived Stress Scale, PSS-4), die Lernzufriedenheit (Student Learning Satisfaction Scale, SLS) sowie die intrinsische Motivation (Intrinsic Motivation Inventory, IMI). Zusätzlich werden Lernzeit, subjektives Vorbereitungsgefühl und die Nutzung ergänzender Lernressourcen erfasst. Die statistische Auswertung ist mittels Repeated-Measures-ANOVA geplant; Kovariatenanalysen (ANCOVA) sollen den Einfluss von Lernzeit und Motivation berücksichtigen. Qualitative Rückmeldungen der Studierenden werden ergänzend mittels thematischer Analyse ausgewertet.
Ergebnisse: Die Datenerhebung erfolgt im SoSe 2026. Zum Zeitpunkt der Tagung werden erste Ergebnisse zu Gruppenunterschieden in der Testatleistung sowie den sekundären Endpunkten (Stresserleben, Lernzufriedenheit, Motivation) vorgestellt.
Diskussion: Die Studie soll evidenzbasierte Erkenntnisse zur didaktischen Wirksamkeit KI-gestützter und kooperativer Lernformate in der vorklinischen Lehre liefern. Durch das Crossover-Design können interindividuelle Unterschiede kontrolliert und die drei Lernbedingungen direkt verglichen werden. Die Ergebnisse sollen zur strukturierten Integration digitaler und sozial-interaktiver Lernmethoden in die medizinische Ausbildung beitragen.
Take-Home-Messages: Die Studie vergleicht erstmals KI-Tutor, Peer-Group-Learning und Selbststudium in einem randomisierten Crossover-Design mit Bezug auf mündliche Prüfungsleistungen und lernpsychologische Outcomes in der vorklinischen medizinischen Ausbildung. Die Ergebnisse können Lehrenden eine evidenzbasierte Grundlage für den gezielten Einsatz innovativer Lernformate bieten.



