Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
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Professionelle Identitätsbildung im Medizinstudium: Kontrollierte Mixed-Methods-Evaluation strukturierter Selbstreflexion und sozialer Identifikation im longitudinalen Kommunikationscurriculum (R-PIF)
Text
Problembeschreibung/Zielsetzung: Professionelle Identitätsbildung (professional identity formation, PIF) ist ein zentrales Entwicklungsziel im Medizinstudium und wird durch soziale Lernkontexte mitgeprägt. Aktuelle Synthesen betonen den Bedarf theorieinformierter longitudinaler Designs und methodischer Triangulation, um Veränderungen im Verlauf sowie Kontextbedingungen differenziert abzubilden [1], und fordern zugleich eine kritisch-kontextsensible Betrachtung jenseits linearer Entwicklungsannahmen [2]. R-PIF beschreibt PIF-Verläufe im Studienverlauf, evaluiert curricular verankerte und schrittweise weiterentwickelte Selbstreflexionsmethoden und untersucht Veränderungen sozialer Identifikation in Kleingruppenformaten sowie deren Zusammenhang mit PIF- und Reflexionsindikatoren.
Projektbeschreibung/Evaluationsmethoden: R-PIF ist als kontrolliertes, longitudinales Mixed-Methods-Design im Modellstudiengang Humanmedizin konzipiert. Die Kontrollkohorte (KG) startet die Datenerhebung im Rahmen des regulären Kommunikationscurriculums (1. FS). In der Interventionskohorte (IG) werden zusätzlich curricular verankerte Selbstreflexionsmethoden implementiert, die entlang der Semester systematisch eingebettet und lernzielbezogen angepasst werden. Quantitative Erhebungen erfolgen zu definierten Messzeitpunkten über vorklinische und klinische Phasen und umfassen validierte Skalen. Qualitative Reflexionstexte werden inhaltsanalytisch ausgewertet und mit quantitativen Verläufen trianguliert.
Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der Abstract-Einreichung befinden sich die Erhebungen in Vorbereitung (KG: Erhebung Ende März 2026; IG: Erhebung August 2026). Zur Tagung werden erste deskriptive Ergebnisse (T1) beider Kohorten berichtet: Rekrutierungs- und Teilnahmequoten, Datenqualität sowie eine erste Datenübersicht der eingesetzten Skalen und deskriptive Kohortenvergleiche. Ergänzend werden erste Auswertungen der Reflexionstexte sowie Hinweise auf Zusammenhänge zwischen sozialer Identifikation in Kleingruppen und PIF-/Reflexionsindikatoren vorgestellt.
Diskussion: R-PIF adressiert eine in der Literatur beschriebene Evidenzlücke durch die longitudinale Untersuchung von PIF im Medizinstudium und die Verknüpfung standardisierter Outcomes mit prozessnahen Reflexionsdaten [1]. Die systematische Einbettung und Weiterentwicklung von Reflexionsmethoden ermöglicht eine kontextsensible Analyse von Identitätsentwicklung im curricularen Verlauf, einschließlich Gruppendynamiken und Zugehörigkeitsprozessen in Kleingruppenformaten [2], [3]. Potenzielle Limitationen umfassen Selbstselektion, Panel-Dropout und Kontextgebundenheit; dem wird durch niedrigschwellige Intervention, definierte Messzeitpunkte und Mixed-Methods-Triangulation begegnet.
Take-Home-Message: Longitudinale Mixed-Methods-Daten bilden die Grundlage, um PIF-Verläufe, Rollen-/Werteentwicklung und Veränderungen sozialer Identifikation in Kleingruppen sowie deren Zusammenhänge über das Medizinstudium hinweg zu untersuchen.
Literatur
[1] Sarraf-Yazdi S, Pisupati A, Goh CK, Ong YT, Toh YR, Goh SPL, Radha Krishna LK. A scoping review and theory-informed conceptual model of professional identity formation in medical education. Med Educ. 2024;58(10):1151-1165. DOI: 10.1111/medu.15399[2] Varpio L, van Braak M, de la Croix A, Sawatsky AP. Professional identity formation metaphors: old problems and new promises. Perspect Med Educ. 2025;14(1):219-229. DOI: 10.5334/pme.1803
[3] Désilets V, Graillon A, Ouellet K, Xhignesse M, St-Onge C. Reflecting on professional identity in undergraduate medical education: implementation of a novel longitudinal course. Perspect Med Educ. 2022;11(4):232-236. DOI: 10.1007/s40037-021-00649-w



