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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)


17.-19.09.2026
Dresden

Meeting Abstract

„Interprofessionelles, sektorenübergreifendes Lernen in ländlichen Regionen“ – partizipative Entwicklung, Durchführung und Transfer eines regionalen Lehrformats

Thorsten Doneith - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Lisa Kuhl - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Jessica Gröninger - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Johanna C. Schmidt - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland
Stefanie Joos - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Martin Leimbeck - Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für hausärztliche Medizin, Gießen, Deutschland

Text

Hintergrund: In Deutschland besteht in zahlreichen Regionen eine Unterversorgung im primärärztlichen Bereich. In den letzten Jahren wurden verschiedene politische und hochschulische Maßnahmen zur Nachwuchssicherung vorangetrieben (z.B. „Landarztquote“, „Landarzt-Track“). [1] Diese zielen darauf ab, Studierende frühzeitig an Einrichtungen der regionalen Gesundheitsversorgung anzubinden und sie mit Besonderheiten regionaler, patientenzentrierter Versorgung vertraut zu machen. Um hierfür zentrale Kompetenzen systematisch aufzubauen, bedarf es geeigneter Lehrformate, die interprofessionelle, intersektorale Zusammenarbeit erfahrbar machen und die koordinierende Rolle der Hausärzt*'innen im Versorgungssystem reflektieren und einordnen. Die Entwicklung und Implementierung solcher Lehrformate sollte partizipativ erfolgen und auf Machbarkeit und Akzeptanz geprüft werden. Im zweiten Schritt stellt sich die Frage, inwieweit ein etabliertes Lehrformat in ein anderes regionales Setting übertragen und unter Berücksichtigung kontextspezifischer Rahmenbedingungen adaptiert werden kann.

Methoden: Nach dem Kernzyklus [2] wurde durch das Institut für Allgemeinmedizin Tübingen gemeinsam mit dem Landkreis (LK) Calw aus o.g. Bedarf Lernziele und Methodik einer regionalen Lehrveranstaltung (LV) entwickelt und als Wahlveranstaltung implementiert. Dabei verbringen bis zu 10 Medizinstudierende eine Woche im LK, besuchen unterschiedliche Einrichtungen des dortigen Gesundheitswesens und erhalten Einblicke in die regionale Zusammenarbeit zwischen Ärzt*innen und anderen Gesundheitsfachberufen. Dieses Lehrformat wurde an der Universität Gießen in Kooperation mit dem Lahn-Dill-Kreis übernommen, weiterentwickelt und in das Schwerpunktcurriculum „Hausärztliche Versorgung/primary care im ländlichen Raum“ implementiert.

Ergebnisse: Die LV konnte im mehrfachen Durchlaufen des Kernzyklus an beiden Standorten mit den LK kontinuierlich weiterentwickelt (Öffnung für Zahnmedizinstudierende, Einbindung regionaler Verwaltung als Gesundheitsakteur) und auf unterschiedliche Weise implementiert werden. Die Adaption und der Transfer in eine weitere Region und ein unterschiedliches curriculares Umfeld waren praktikabel und ressourcenschonend möglich.

Diskussion: Die Entwicklung und Durchführung regionaler LV gemeinsam mit ausgewählten LK hat sich als gut umsetzbar erwiesen. Dabei ist der organisatorische Aufwand hoch. Umso sinnvoller erscheint es, diese LV auf weitere LK zu übertragen. An unserem Beispiel zeigt sich, dass ein Transfer auch in ein sich unterscheidendes Umfeld praktikabel ist. Inwieweit regionale LV Studierende längerfristig an die Region binden, bedarf longitudinal angelegter Begleitevaluationen, die regionale Verbleibquoten systematisch über einen längeren Zeitraum erfassen.

Take-Home-Message:

  • Regionale Lehre kann partizipativ mit Regionen/Landkreisen entwickelt und umgesetzt werden.
  • Regionale Lehrformate lassen sich ressourcenschonend an weitere Regionen anpassen und transferieren.

Literatur

[1] Robert Bosch Stiftung. Gesundheitszentren für Deutschland. Wie ein Neustart in der Primärversorgung gelingen kann. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung; 2021. Zugänglich unter/available from: https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2021-05/Studie_Primaerversorgung_Gesundheitszentren-fuer-Deutschland.pdf
[2] Kern DE, Thomas PA, Hughes MT, editors. Curriculum development for medical education: a six-step approach. Fourth edition. Baltimore: Johns Hopkins University Press; 2022.