Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)
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Psychologische Sicherheit im simulationsbasierten Lernen aus Sicht von Masterstudierenden in Pflege: Eine qualitativ-deskriptive Studie
Text
Hintergrund/Fragestellung: Simulationsbasiertes Lernen (SBL) ist ein zentrales, jedoch emotional anspruchsvolles Lehrformat in der pflegerischen Ausbildung [1]. Für Masterstudierende, die sich auf erweiterte Rollen im Bereich Advanced Practice Nursing vorbereiten, ist psychologische Sicherheit entscheidend für aktives und reflexives Lernen [2]. Durch ihre Berufserfahrung und klinische Expertise treffen hohe Selbstansprüche auf eine neue fachliche Rolle, was das Sicherheitserleben dieser Gruppe beeinflussen kann. Ziel der Studie war es, fördernde und hemmende Faktoren für die psychologische Sicherheit im SBL aus Sicht der Masterstudierenden zu untersuchen.
Methoden: Im Rahmen eines qualitativ-deskriptiven Forschungsdesigns wurden Masterstudierende eines Schweizer Studiengangs in Einzelinterviews zu ihren Erfahrungen im SBL befragt. Die Interviews wurden transkribiert und mittels thematischer Analyse ausgewertet, um wiederkehrende förderliche und hemmende Einflussfaktoren zu identifizieren [3].
Ergebnisse: Faktoren für die psychologische Sicherheit von Masterstudierenden in der Pflege lassen sich in drei Bereiche gliedern: individuelle, situationsbezogene und interaktionale Aspekte. Förderlich waren Praxis- und Simulationserfahrungen, ein ausgeprägtes fachliches Wissen, Vertrauen in die eigene Kompetenz sowie eine positive Lernorientierung. Situativ stärkten vertraute Themen und Abläufe, konstante Kleingruppen und kurze Reflexionspausen vor dem Debriefing das Sicherheitserleben. Interaktional unterstützten ein wertschätzendes, empathisches Kommunikationsverhalten der Instruktor*innen sowie ein offener Austausch in der Gruppe die psychologische Sicherheit. Demgegenüber wirkten Angst, hohe Selbstansprüche und das Erleben von SBL als prüfungsähnlich hemmend. Situative Faktoren wie Teilnahme-Pflichtgefühl, unrealistische Szenarien und ungünstige Gruppen- oder Raumbedingungen sowie autoritäre Verhaltensweisen, Spannungen in der Gruppe und defizitorientiertes Feedback beeinträchtigten das Sicherheitserleben zusätzlich.
Diskussion: Psychologische Sicherheit im SBL entsteht nicht allein individuell, sondern im Zusammenspiel von Lernenden, Lehrenden und Rahmenbedingungen. Ein produktives Lernklima erfordert sowohl herausfordernde Aufgaben als auch einen geschützten, wertschätzenden Rahmen, der Lernende dabei unterstützt, Fragen zu stellen, Fehler zu machen und aktiv zu partizipieren. Fehlende psychologische Sicherheit kann zu fehlendem Lernerfolg, zu Rückzug und passiver Beobachtung führen.
Take-Home-Message: Für wirksames SBL müssen Lehrpersonen psychologische Sicherheit aktiv fördern, indem sie transparente Erwartungen, empathische Kommunikation und strukturelle Rahmenbedingungen schaffen, die ein produktives Stressniveau ermöglichen, ohne zu überfordern.
Literatur
[1] Kolbe M, Eppich W, Rudolph J, Meguerdichian M, Catena H, Cripps A, Grant V, Cheng A. Managing psychological safety in debriefings: A dynamic balancing act. BMJ Simul Technol Enhanc Learn. 2020;6(3):164-171. DOI: 10.1136/bmjstel-2019-000470[2] Ling C, Yu S. The relationship between clinical work stress and anxiety in master’s degree nursing students: The mediating role of psychological capital and social support. Medicine (Baltimore). 2023;102(23):e33997. DOI: 10.1097/MD.0000000000033997
[3] Braun V, Clarke V. Using thematic analysis in psychology. Qual Res Psychol. 2006;3(2):77-101. DOI: 10.1191/1478088706qp063oa



