German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Vorhersage infektiöser Komplikationen nach Polytrauma durch longitudinale Analyse von Neutrophilen-Oberflächenexpressionsmarkern – präliminäre Ergebnisse einer prospektiven Studie
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Zielsetzung und Fragestellung: Veränderungen von Oberflächenexpressionsmarkern auf Neutrophilen geben Hinweise auf den Immunstatus von Patientinnen und Patienten nach Polytrauma. Neuerdings können Point-of-care (POC) Flowzytometer bedside solche Veränderungen erfassen. Bisherige Studien haben sich allerdings auf einmalige Analysen im Schockraum fokussiert. In der vorliegenden Studie soll untersucht werden, ob eine longitudinale Analyse von Neutrophilenmarkern das Auftreten von infektiösen Komplikationen vorhersagen kann.
Material und Methoden: Ein POC Neutrophil-Analyse System (AQUIOS® Flow Cytometer) wurde in einem überregionalen Traumazentrum etabliert. Polytraumapatientinnen und -patienten mit einem ISS>25 wurden prospektiv in die Studie inkludiert. Folgende Neutrophilenmarker wurden analysiert: CD10, CD11b, CD64, CD62L und CD16. Die Zeitpunkte waren unmittelbar im Schockraum, nach 8 h, nach 24 h, nach 48 h und nach 5 Tagen. Patientinnen und Patienten wurden in Gruppen mit und ohne infektiöse Komplikationen eingeteilt.
Ergebnisse: 25 Patientinnen und Patienten mit Polytrauma und einem medianen ISS von 34 wurden in die Studie eingeschlossen. Die häufigsten Verletzungen umfassten Wirbelsäulenfrakturen, Femurfrakturen, intrakranielle Blutungen und Thoraxverletzungen. Während des Krankenhausaufenthalts entwickelten 13 der 25 Personen infektiöse Komplikationen. Bei Patientinnen und Patienten mit infektiösen Komplikationen waren die Expressionslevel von CD62L und CD64 signifikant vermindert. Darüber hinaus gab es einen Peak von CD11b 8 h nach Trauma in der Gruppe mit infektiösen Komplikationen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die longitudinale Analyse von verschiedenen Oberflächenmarkern ergibt ein individuelles Bild des Aktivierungszustands von Neutrophilen nach Polytrauma. Bestimmte Muster scheinen das Auftreten von infektiösen Komplikationen zu begünstigen. Die POC-Analyse könnte zukünftig zur Risikostratifizierung von vulnerablen Patientinnen und Patienten eingesetzt werden und eine immunprotektive operative Versorgung im Sinne einer personalisierten Medizin gewährleisten.



