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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Biomechanische Analyse der Stabilisierung tiefer transversaler Sakrumfrakturen: Einzel- versus Doppelplattenosteosynthese

Julia Rudek - Abteilung für Orthopädie und Traumatologie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich
Richard A. Lindtner - Abteilung für Orthopädie und Traumatologie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich
Romed Hörmann - Institut für Klinisch-Funktionelle Anatomie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich
Werner Schmoelz - Abteilung für Orthopädie und Traumatologie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Tiefe transversale Sakrumfrakturen (LTSF) distal des Iliosakralgelenks destabilisieren zwar den Beckenring nicht, sind nach Hochrasanztrauma jedoch häufig disloziert und führen zu sakralen Nervenwurzelkompressionen mit Blasen- und Mastdarmdysfunktion. Spezifische Implantatsysteme und biomechanische Daten zur operativen Stabilisierung fehlen. In der klinischen Praxis werden daher anatomisch passende Implantate anderer Regionen verwendet, insbesondere anteriore HWS-Platten oder Mittelfußplatten. Ziel dieser Studie war der biomechanische Vergleich einer Einzelplattenosteosynthese (SP) mittels anteriorer HWS-Platte versus Doppelplattenosteosynthese (DP) mittels zweier Mittelfußplatten bei LTSF unter progressiver zyklischer Belastung.

Material und Methoden: 20 fresh-frozen humane Sakren wurden gleichmäßig auf zwei hinsichtlich Alter und Knochendichte (BMD) vergleichbare Gruppen aufgeteilt (je Gruppe n=10/SP; n=10/DP). LTSFs wurden standardisiert durch die Foramina S3 erzeugt und dann entweder mit SP (Skyline™ HWS-Platte, 30 mm, mit vier 4,0-mm Schrauben; DePuy Synthes) oder DP (2x Forefoot-Midfoot System Straight Fusion Plate, 40-mm, mit je vier 2,7-mm Schrauben; DePuy Synthes) stabilisiert. Mithilfe einer Materialprüfmaschine wurde eine zyklische, axiale Belastung, die zu einer Biegebelastung führte, auf das Sakrum aufgebracht (initial 5–10 N, +5 N alle 50 Zyklen): Eine Verschiebung von 5 mm und daraus resultierende Neigung des Frakturspalts um 9,5° wurde als Versagenskriterium gewertet.

Ergebnisse: Die DP erreichte eine signifikant höhere Versagenslast (94 ± 28,7 N) als SP (30 ± 13,9 N; p < 0,001) sowie eine deutlich höhere Zyklenzahl bis zum Versagen (865 vs. 212; p <0,001). Erstversagen trat bei SP bereits bei 15 N auf, bei DP erst bei 55 N. Im submaximalen Lastbereich zeigte DP eine größere zyklische Mikrobewegung (40 N: 2,18 mm vs. 0,83 mm; 60 N: 3,76 mm vs. 1,29 mm), was auf eine höhere Flexibilität der DP trotz überlegener Gesamtstabilität hinweist.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Doppelplattenosteosynthese mit jeweils vier Schrauben hielt höheren Lasten stand und zeigte dabei eine geringere Abkippung vor dem Versagen. In einem neu entwickelten Implantat für diese Frakturart könnte es jedoch sinnvoll sein, den Vorteil der zwei Implantate zu kombinieren und ein Einzelplattenimplantat mit acht Schrauben zu designen, um eine optimale initiale Stabilität und Langlebigkeit zu gewährleisten.