Logo

German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Doppelplatte bei Symphysensprengung führt zu moderatem Stabilitätsanstieg bei vermehrter Bewegung des hinteren Beckenring

Felix Wolff - Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Bei Symphysensprengungen wird bei adipösen Patienten oder in Revisionsfällen gelegentlich eine Doppelplattenosteosynthese zur Stabilisierung eingesetzt. Die biomechanischen Eigenschaften einer additiven Platte in 90°-Technik hinsichtlich der Stabilität sind bislang unklar. Ziel dieser biomechanischen Studie ist die Analyse der Doppelplatte im Ein- und Zweibeinstand sowie der Vergleich mit der Einzelplatte.

Material und Methoden: 30 synthetische Becken wurden in zwei Gruppen randomisiert. Die Präparate wurden unter zyklischer axialer Belastung mit 200, 400 und 600 N im Ein- und Zweibeinstand über jeweils 5.000 Zyklen getestet. Die Beweglichkeit der oberen, mittleren und unteren Symphyse wurde mittels dreidimensionaler Bewegungsanalyse (ZEISS ARAMIS 3D) erfasst. Zusätzlich wurde ein Kadaverbecken mit intaktem Bandapparat untersucht. Hier erfolgten Messungen bei intakter und instabiler Symphyse sowie nach Versorgung mit Einzel- und Doppelplattenosteosynthese unter identischen Versuchsbedingungen. Neben den Abständen in der Symphyse wurde zusätzlich die Relativbewegung zwischen Spina iliaca anterior superior (SIAS) und Os sacrum ausgewertet.

Ergebnisse: Im Vergleich zur Einzelplatte zeigte die Doppelplatte eine geringere Streuung der Messwerte sowie eine Reduktion der Symphysenbewegung um 20%. Im Kadaverversuch reduzierte die Einzelplatte die Symphysenbewegung gegenüber der Defektsituation deutlich. Die modifizierte Doppelplatte führte zu einer weiteren Reduktion der Symphysenbewegung in der Sagittalebene, bei gleichzeitig vermehrter Relativbewegung zwischen SIAS und Sakrum. Am ehesten entspricht die beobachtete Veränderung einer Lastverlagerung vom ventralen auf den dorsalen Beckenring.Im Einbeinstand zeigte sich bei 400 N ein konsistenter, jedoch nicht signifikanter Trend zugunsten der Doppelplattenosteosynthese (untere Symphyse: p = 0,069). Unter 600 N war die Symphysenbewegung unter Doppelplattenosteosynthese in allen Ebenen signifikant reduziert (p = 0,017–0,031; Cohen’s d = 0,90–1,01).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Doppelplatte zeigt im Vergleich zur Einzelplatte einen moderaten Anstieg der Gesamtstabilität. Die gesteigerte Rigidität des vorderen Beckenrings führt konsekutiv zu einer Bewegungszunahme im hinteren Beckenring. Der klinische Einfluss dieser Lastverlagerung ist derzeit unklar. Bei C-Verletzungen könnte eine zusätzliche Stabilisierung des hinteren Beckenrings in Kombination mit einer Doppelplattenosteosynthese ein relevanter Aspekt sein.