52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Prospektive Evaluation des Radiology Artificial Intelligence Diagnostic Assistant System (RAIDAS) zur Detektion eines signifikanten Prostatakarzinoms mit kognitiver Mikroultraschall/MRT Fusionsbiopsie – erste Ergebnisse einer trimodalen Diagnostik
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Einleitung: Die multiparametrische Prostata-Magnetresonanztomographie (mpMRT) ist ein etabliertes Verfahren zur Detektion eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms (csPCa; nach EAU Risikoklassifikation) und trägt zur Reduktion von Überdiagnosen sowie unnötigen Biopsien bei. Die Interobserver-Variabilität der Prostate Imaging Reporting and Data System-(PI-RADS-)Interpretation bleibt jedoch moderat, insbesondere bei grenzwertigen Läsionen. Das Radiology Artificial Intelligence Diagnostic Assistant System (RAIDAS) wurde entwickelt, um die mpMRT-Auswertung zu standardisieren und die Detektion von csPCa zu unterstützen.
Methodik: RAIDAS wurde von 2017–2023 anhand von 2.244 biparametrischen MRT-Untersuchungen (T2-gewichtete und ADC-Sequenzen) trainiert; für 460 Patienten lagen histopathologische Referenzdaten nach kombinierter gezielter (targeted biopsy, TB) und systematischer Biopsie (SB) vor. Die diagnostische Genauigkeit für PI-RADS bzw. RAIDAS lag bei 70% bzw. 72%. Im prospektiven Studienteil (geplante Fallzahl 287) wurden seit Dezember 2024 Patienten mit PCa-verdacht eingeschlossen. Bei PI-RADS ≥ 3 erfolgte eine kognitive transperineale mikro-ultraschallgestützte TB mit anschließender SB. Die mpMRT-Befunde wurden intramural reevaluiert und die Kongruenz zwischen PI-RADS, RAIDAS und dem Prostate Risk Identification using Micro-Ultrasound (PRIMUS)- Score vom Operateur/In bewertet. Ordinale Zusammenhänge und Übereinstimmungen wurden analysiert.
Ergebnisse: Es wurden prospektiv bisher 55 Patienten analysiert (medianes Alter 67 Jahre, PSA-Dichte 0,17 ng/ml/cm3). Nach TB&SB wurde bei 47 Patienten (86%) ein Prostatakarzinom und bei 38 (69%) ein csPCa diagnostiziert; die TB allein detektierte ein csPCa bei 35 Patienten (64%). Zwischen PI-RADS, RAIDAS und PRIMUS bestanden signifikante ordinale Zusammenhänge (alle p < 0,001) bei geringer bis mäßiger Übereinstimmung (Cohen’s κ = 0,15–0,29). Die csPCa-Nachweisrate stieg konsistent mit höheren Kategorien über alle Modalitäten hinweg. Je nach Kombination kongruenter Befunde von PI-RADS, RAIDAS und PRIMUS wurde ein csPCa nach TB bzw. TB&SB in bis zu 91% bzw. 92% der Fälle nachgewiesen.
Schlussfolgerung: Die trimodale Kombination aus PI-RADS, RAIDAS und MUS ermöglicht eine hohe Detektionsrate für das csPCa, insbesondere bei kongruenten Befunden. RAIDAS scheint eine sinnvolle Ergänzung zur Standardisierung der MRT-Interpretation darzustellen.



