52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Korrelation metabolomischer Profile mit bildgebenden, genetischen und biologischen Markern bei Verdacht auf ein signifikantes Prostatakarzinom
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Einleitung: Zuverlässige Biomarker mit hoher diagnostischer Genauigkeit zur Früherkennung eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms (csPC; ≥ intermediäres EAU-Risiko) sind weiterhin begrenzt verfügbar. Während die multiparametrische Prostata-MRT (mpMRT) und die PSA-Dichte etablierte diagnostische Instrumente darstellen, ist der additive Nutzen serumbasierter Metabolomics im Vergleich zu bildgebenden, biologischen und molekularen Markern bislang unklar.
Methodik: Zwischen November 2018 und Februar 2020 wurden Patienten mit Prostatakarzinomverdacht aufgrund erhöhter PSA-Werte und/oder auffälliger digitaler rektaler Untersuchung (DRU) prospektiv eingeschlossen. Alle Patienten erhielten eine mpMRT mit anschließender MRT-Fusionsbiopsie; die MRT-Befunde wurden gemäß PI-RADS reevaluiert. Vor Biopsie wurden Serum-Testosteron, Prostate Cancer Antigen 3 (PCA-3) sowie serumbasierte metabolomische Profile bestimmt. Es erfolgten univariate Analysen mit Korrektur für multiples Testen, Korrelationsanalysen sowie multivariable logistische Regressionsmodelle. Ein p-Wert < 0,05 wurde als statistisch signifikant definiert.
Ergebnisse: Bei 97 von 189 Patienten wurde ein csPC diagnostiziert. Entsprechend den PI-RADS-Kategorien 2, 3, 4 und 5 wurde ein csPC bei 1/13, 15/50, 50/77 bzw. 27/41 Patienten nachgewiesen. Patienten mit csPC waren älter, wiesen häufiger eine auffällige DRU auf und hatten eine höhere PSA-Dichte sowie häufiger einen PCA-3-Score > 35. Die Serum-Testosteronwerte unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. In den univariaten metabolomischen Analysen zeigten sich mehrere nominale Assoziationen einzelner Metabolite mit csPC und etablierten Risikofaktoren (ER: PI-RADS ≥4, auffällige DRU, PSA-Dichte >0,15, PCA-3 >35); nach Korrektur für multiples Testen blieb jedoch keine Assoziation signifikant. In datengetriebenen Feature-Selektionsverfahren wurden Alanin und Ameisensäure als konsistenteste Metabolite identifiziert, zeigten jedoch in multivariaten Modellen keine unabhängige Assoziation mit dem csPC. Die diagnostische Genauigkeit etablierter Risikofaktoren war hoch (AUC 0,85), eine zusätzliche Verbesserung durch Metabolite konnte nicht erzielt werden.
Schlussfolgerung: Serumbasierte Metabolomics zeigten weder allein noch in Kombination mit etablierten Markern einen relevanten Zusatznutzen für den Nachweis eines csPC. Weitere prospektive multizentrische Studien sind erforderlich, um ihren potenziellen diagnostischen Stellenwert zu evaluieren.



