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52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie


06.-08.05.2026
Würzburg

Meeting Abstract

Vergleich von Modellen zur Vorhersage des Rezidivrisikos unter aktiver Überwachung beim Stadium-I-Seminom: Eine retrospektive multizentrische Kohortenstudie

Andreas Banner - Klinik Favoriten, Urologie, Wien, Österreich; Medizinische Universität Wien, Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin, Zentrum für Public Health, Wien, Österreich
Eveline Daetwyler - Kantonspital St. Gallen, Abteilung für medizinische Onkologie und Hämatologie, St. Gallen, Schweiz
Stefanie Fischer - Kantonspital St. Gallen, Abteilung für medizinische Onkologie und Hämatologie, St. Gallen, Schweiz
Stephanie Schöpfer-Schwab - Medizinische Universität Graz, Abteilung für Urologie, Graz, Österreich
Karl Pemberger - Medizinische Universität Graz, Abteilung für Urologie, Graz, Österreich
Michael Scholz - Klinik Favoriten, Urologie, Wien, Österreich
Kathrin Olesch - Salzburger Landeskliniken, , Abteilung für Urologie und Andrologie, Salzburg, Österreich
David Oswald - Salzburger Landeskliniken, , Abteilung für Urologie und Andrologie, Salzburg, Österreich
Lukas Koren-Wagner - Landesklinikum Vöcklabruck, Vöcklabruck, Österreich
Robin Zeder - LKH Hochsteiermark, Standort Leoben, Abteilung für Urologie, Leoben, Österreich
Clemens Mikulits - Barmherzige Brüder Wien, Abteilung für Urologie, Wien, Österreich
Sebastian Lenart - Barmherzige Brüder Wien, Abteilung für Urologie, Wien, Österreich
Christoph Seidel - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Zentrum für Onkologie, II. Medizinische Klinik und Poliklinik (Onkologie, Hämatologie, Knochenmarktransplantation mit Abteilung für Pneumologie), Hamburg, Deutschland
Angelika Terbuch - Medizinische Universität Graz, Abteilung für Innere Medizin, Division für klinische Onkologie, Graz, Österreich

Text

Einleitung: Zur Verbesserung der Rezidivvorhersage beim klinischen Stadium I (cSI) des Seminoms sollte das Boormans-Modell (unter Einbeziehung von Tumorgröße [TS], Rete-testis-Invasion [RTI] und lymphovaskulärer Invasion [LVI]) im Vergleich zur konventionellen Klassifikation (TS > 4 cm/RTI) validiert werden.

Methodik: Patienten mit cSI-Seminom, die nach radikaler Orchiektomie unter aktiver Überwachung standen, wurden retrospektiv analysiert (1994–2025). Ein Teil der Daten stammte aus der prospektiven „Swiss-Austrian-German Testicular Cancer Cohort Study“. Der primäre Endpunkt war das Auftreten eines Rezidivs.

Ergebnisse: Von 1.025 Patienten erlitten 116 (11,3%) ein Rezidiv bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 45 Monaten (95%-KI 42–48). In der deskriptiven multivariablen Analyse waren TS (HR 1,03; 95%-KI 1,01–1,04) und RTI (HR 2,73; 95%-KI 1,83–4,06) unabhängige Prädiktoren für ein Rezidiv. Das Boormans-Modell klassifizierte 645 Männer (62,9%) als Niedrigrisiko-, 356 (34,7%) als Intermediärrisiko- und 24 (2,3%) als Hochrisikopatienten. Das 5-Jahres-Rezidivrisiko betrug 0,07 (95%-KI 0,04–0,09), 0,24 (0,19–0,29) bzw. 0,35 (0,10–0,53). Das Boormans-Modell zeigte eine bessere Diskriminierung als das konventionelle Modell (C-Index 0,66 vs. 0,61; Δ0,06, p<0,001). Trotz der verbesserten Diskriminierung war der klinische Nutzen in risikoadaptierten Therapieszenarien im Vergleich zum konventionellen Modell begrenzt.

Schlussfolgerung: Das Boormans-Modell weist eine überlegene Diskriminierungsfähigkeit auf, erzielt jedoch nur begrenzte Zugewinne im klinischen Nutzen. Die Integration neuer Biomarker ist zwingend notwendig, um eine präzisere, risikoadaptiert Behandlung zu ermöglichen.

Abbildung 1 [Abb. 1], Tabelle 1 [Tab. 1], Tabelle 2 [Tab. 2]

Abbildung 1

Tabelle 1

Tabelle 2