52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Vergleich von Modellen zur Vorhersage des Rezidivrisikos unter aktiver Überwachung beim Stadium-I-Seminom: Eine retrospektive multizentrische Kohortenstudie
Text
Einleitung: Zur Verbesserung der Rezidivvorhersage beim klinischen Stadium I (cSI) des Seminoms sollte das Boormans-Modell (unter Einbeziehung von Tumorgröße [TS], Rete-testis-Invasion [RTI] und lymphovaskulärer Invasion [LVI]) im Vergleich zur konventionellen Klassifikation (TS > 4 cm/RTI) validiert werden.
Methodik: Patienten mit cSI-Seminom, die nach radikaler Orchiektomie unter aktiver Überwachung standen, wurden retrospektiv analysiert (1994–2025). Ein Teil der Daten stammte aus der prospektiven „Swiss-Austrian-German Testicular Cancer Cohort Study“. Der primäre Endpunkt war das Auftreten eines Rezidivs.
Ergebnisse: Von 1.025 Patienten erlitten 116 (11,3%) ein Rezidiv bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 45 Monaten (95%-KI 42–48). In der deskriptiven multivariablen Analyse waren TS (HR 1,03; 95%-KI 1,01–1,04) und RTI (HR 2,73; 95%-KI 1,83–4,06) unabhängige Prädiktoren für ein Rezidiv. Das Boormans-Modell klassifizierte 645 Männer (62,9%) als Niedrigrisiko-, 356 (34,7%) als Intermediärrisiko- und 24 (2,3%) als Hochrisikopatienten. Das 5-Jahres-Rezidivrisiko betrug 0,07 (95%-KI 0,04–0,09), 0,24 (0,19–0,29) bzw. 0,35 (0,10–0,53). Das Boormans-Modell zeigte eine bessere Diskriminierung als das konventionelle Modell (C-Index 0,66 vs. 0,61; Δ0,06, p<0,001). Trotz der verbesserten Diskriminierung war der klinische Nutzen in risikoadaptierten Therapieszenarien im Vergleich zum konventionellen Modell begrenzt.
Schlussfolgerung: Das Boormans-Modell weist eine überlegene Diskriminierungsfähigkeit auf, erzielt jedoch nur begrenzte Zugewinne im klinischen Nutzen. Die Integration neuer Biomarker ist zwingend notwendig, um eine präzisere, risikoadaptiert Behandlung zu ermöglichen.
Abbildung 1 [Abb. 1], Tabelle 1 [Tab. 1], Tabelle 2 [Tab. 2]






