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38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft

Retinologische Gesellschaft
03.-04.07.2026
Badenweiler

Meeting Abstract

Unmet Need bei der nAMD

Daniel Pauleikhoff - Münster

Text

Hintergrund: Die neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration (nAMD) ist eine chronische Erkrankung, bei der die biologisch sinnvolle Neubildung einer makulären Neovaskularisation (MNV) durch ihre exsudative Aktivität zu einer Schädigung der Photorezeptoren und damit zu einem Visusverlust führt. Durch die anti-exsudative Wirkung der anti-angiogenetische Therapie kann bei langfristiger, individuell angepasster Behandlung eine weitgehende Stabilisierung der Sehfunktion erreicht werden. Dennoch kommt es bei vielen Patienten trotz effektiver Therapie im Langzeitverlauf zu einer langsamen Visusminderung. Die Reduktion dieser funktionellen Verschlechterung bei gleichzeitiger Verringerung der Behandlungsbelastung stellt daher den zentralen „unmet need“ in der Therapie der nAMD dar.

Methoden: Zur Analyse der Ursachen des langfristigen Visusverlustes wurden bis zu 744 Augen (mittleres Alter 78,4 Jahre; Spannweite 60–96 Jahre; mittlere Nachbeobachtungszeit 3,3 Jahre, bis zu 10 Jahre; insgesamt bis zu 18.743 OCT-Untersuchungen) untersucht, die nach einem IVAN-PRN-Schema langfristig mit Anti-VEGF behandelt worden waren. Morphologische Veränderungen der Netzhaut, der MNV, der Makulären Atrophie sowie der Aderhaut wurden sowohl manuell als auch mithilfe neu entwickelter KI-basierter Algorithmen quantitativ analysiert.

Ergebnisse: Die Entwicklung einer Makulären Atrophie (ca. 15% pro Jahr) erwies sich als Hauptursache des langfristigen Visusverlustes. Die Atrophie entstand überwiegend im Zusammenhang mit der strukturellen Transformation der behandelten MNV. Dabei waren insbesondere Größe und Dicke der MNV mit der Atrophieentwicklung assoziiert, während spezifische phänotypische Merkmale, wie das Vorliegen einer serösen Pigmentepithelabhebung, keinen relevanten Einfluss zeigten. Die beobachtete Atrophie entsprach damit überwiegend einer MNV-assoziierten Atrophie und weniger einer zusätzlich auftretenden, unabhängigen geographischen Atrophie. Darüber hinaus war eine Verminderung der Aderhautparameter sowohl mit dem Vorliegen einer nAMD als auch insbesondere mit der Entwicklung einer Makulären Atrophie assoziiert. Die Injektionsfrequenz hatte keinen Einfluss auf die Entstehung der Atrophie, korrelierte jedoch mit einer größeren initialen Netzhautdicke und einer größeren MNV-Ausdehnung.

Schlussfolgerung: Die Entwicklung einer Makulären Atrophie trotz effektiver anti-angiogenetischer Therapie ist der entscheidende limitierende Faktor für die langfristige Visusprognose bei der nAMD. Die Verhinderung oder Verzögerung dieser Atrophieentwicklung stellt daher den zentralen „unmet need“ der zukünftigen Therapie dar. Morphologische Charakteristika der MNV und der Netz- und Aderhaut könnten als Biomarker zur Identifikation von Patienten mit erhöhtem Atrophierisiko dienen. Darüber hinaus ermöglichen sie die frühzeitige Charakterisierung von Patienten mit hohem langfristigem Injektionsbedarf, die potenzielle Kandidaten für neue Therapieansätze wie Port-Delivery-Systeme oder Gentherapien darstellen.