71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Fallbericht eines low grade Prostatasarkoms. Fallstricke in der Diagnostik und Therapie
Text
Hintergrund: Prostatasarkome sind seltene mesenchymale Tumore (<1% der Prostataneoplasien). Sie werden in stromale Tumoren unklarer Dignität (STUMP) und stromale Sarkome (PSS) unterteilt. STUMP kann lokal rezidivieren und in ein stromales Sarkom transformieren. Für die Therapie dieser seltenen Erkrankung existieren bislang keine generellen Empfehlungen.
Fallvorstellung: Bei langjährigen irritativen Miktionsbeschwerden und Prostatahyperplasie wurde bei einem PSA von 0,84 ng/ml und asuspekter DRU eine ThuLEP durchgeführt. Die Histopathologie ergab eine BPH mit fokalem spindelzelligem Stromatumor; STUMP mit Übergang in ein low grade Prostatastromasarkom. Es erfolgte eine mpMRT der Prostata mit Nachweis zweier PI-RADS-5-Läsionen mit anschließender MRT/TRUS-Fusionsbiopsie. Hier ergab sich ein isoliertes low-grade-Stromasarkom der Transitionalzone ohne Nachweis eines azinären Prostatakarzinoms. Ein Staging mittels CT-Thorax/Abdomen blieb ohne Hinweis auf Filiae. Nach interdisziplinärer Diskussion wurde eine robotisch-assistierte radikale Prostatektomie mit Nerverhalt ohne Lymphadenektomie durchgeführt. Im Prostatektomiepräparat fand sich erneut ein STUMP mit Übergang in ein low-grade Stromasarkom (TNM nach Sarkomklassifikation: pT1, pNx, L0, V0, Pn0) mit fokaler Randbildung von 1 mm an der Basis bei tumorfreiem Blasenhals-Nachresektat. Molekularpathologisch zeigten sich Funktionsverlust-Mutationen in RB1 und TP53, ohne detektierbare Fusionsgene oder therapeutisch nutzbare Zielstrukturen. Der postoperative Verlauf war komplikationslos; aktuell wird der Stellenwert einer adjuvanten Radiotherapie versus engmaschiger Nachsorge diskutiert.
Diskussion: Der Fall illustriert diagnostische und therapeutische Herausforderungen seltener Prostatatumore. Der PSA-Wert ist in Fällen von Stromatumoren kein guter Signalgeber. Die radikale Prostatektomie wird bei lokal begrenzter Erkrankung als geeignete Therapieoption äquivalent zum Adenokarzinom der Prostata angesehen; der optimale Umgang mit minimal positiven Resektionsrändern und die Rolle einer adjuvanten Radiotherapie beim STUMP bleiben bei bisher geringer publizierter Fallzahl interdisziplinär zu diskutierende Einzelfallentscheidungen.



