71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Aktuelle demografische und Tumorverlaufsdaten vom nationalen Register Prostatakarzinom (ProNAT) von d-uo
Text
Einleitung: Das Nationale Register Prostatakarzinom (ProNAT) der Deutschen Uro-Onkologen (d-uo) wurde 2022 initiiert, um die sektorenübergreifende Versorgung von Patienten mit Prostatakarzinom in Deutschland realitätsnah abzubilden. Aufbauend auf der VERSUS-Studie werden detaillierte Verlaufsdaten zur Qualität, Leitlinienadhärenz und Therapie erfasst.
Methode: ProNAT ist ein nicht-interventionelles, prospektives, multizentrisches Register (DRKS00030737, Ethikvotum Berlin 2018). Eingeschlossen werden Patienten mit histologisch gesichertem Prostatakarzinom aus 55 d-uo-Praxen. Erfasst werden demografische und klinische Basisdaten, Tumorstadium, Therapieformen, Komorbiditäten sowie psychoonkologische Betreuung.
Ergebnisse: Bis August 2025 wurden 3.417 Patienten dokumentiert (auswertbar n = 3.052; medianes Alter 69 Jahre). 91,1% befanden sich in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0–1). Häufige Komorbiditäten waren arterielle Hypertonie (30,6%), Diabetes mellitus (8,2%) und kardiovaskuläre Erkrankungen (9,1%). Bei 6,7% lagen primär Metastasen vor; 77,6% hatten T1–T2-Tumoren. Eine mpMRT vor Biopsie erfolgte bei 36,6%. Kurative Operationen wurden zu 87,7% roboterassistiert durchgeführt. Bei Gleason 3 + 3-Tumoren erhielten 35,1% eine aktive Überwachung, 37,8% eine Operation. Psychoonkologische Betreuung wurde nur bei 18,2% dokumentiert.
Schlussfolgerung: ProNAT liefert erstmals umfassende Real-World-Daten zur ambulanten Versorgung von Prostatakarzinompatienten in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen Fortschritte in der Leitlinienadhärenz, aber Optimierungsbedarf bei psychoonkologischer Betreuung und multidisziplinärer Therapieplanung. Mit weiteren Patienteneinschlüssen werden künftig detaillierte Analysen zu Therapiesequenzen und Versorgungsqualität möglich.



