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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Differenzierung zwischen klinisch signifikanten und nicht-signifikanten Prostatakarzinomen anhand von Urinproben

Finn Berg - Uniklinik Köln, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Paul Bothe - Uniklinik Köln, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Yufan Ni - Uniklinik Köln, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Thomas Humbert - Uniklinik Köln, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Bianca Bouillon - Uniklinik Köln, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Melanie von Brandenstein - Uniklinik Köln, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Enno Storz - Uniklinik Köln, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Axel Heidenreich - Uniklinik Köln, Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland

Text

Einleitung: Die präzise Unterscheidung zwischen klinisch signifikanter und nicht-signifikanter Prostatakarzinome (PCa) ist eine zentrale diagnostische Herausforderung. Konventionelle Methoden wie die biopsiebasierte Beurteilung ist invasiv und mit Komplikationen verbunden, während nicht-invasive Verfahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Urin stellt ein vielversprechendes Diagnostikum dar, da es Biomarker enthält, die die Tumorbiologie mit hoher Sensitivität und Spezifität widerspiegeln. Ziel dieser Studie war die Evaluierung eines peptidbasierten Urintests zur Differenzierung verschiedener PCa-Subgruppen.

Material und Methoden: Insgesamt wurden 232 Patienten eingeschlossen: ISUP 1/2 (n=79) und ISUP 3–5 (n=153). Die medianen PSA-Werte lagen bei 6,53 ng/µl (ISUP 1/2), 16,075 ng/µl (ISUP 3/4) und 19,14 ng/µl (ISUP 5). Alle Patienten, die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen, erhielten zuvor eine systematische Biopsie und ein mpMRT. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 [Tab. 1] zusammengefasst. Von jedem Patienten wurden 250 µl Urin zentrifugiert, mit Vim3Cy5 für 1 h inkubiert, gewaschen und in 100 µl PBS resuspendiert und mittels Fluoreszenzreader gemessen. Die Quantifizierung erfolgte anhand einer Standardkurve in ImageJ.

Tabelle 1: Durchschnittliche Anzahl entnommener Biopsiestanzen, Positivitätsraten und PI-RADS-Scores nach ISUP-Grad

Ergebnisse: Der Urintest erreichte eine Sensitivität von 87,74% und eine Spezifität von 73% zur Unterscheidung signifikanter von nicht-signifikanter PCa. Der Cut-Off-Wert betrug 0,5821 ng/µl. Die Mittelwerte waren: ISUP 1: 0,5213±0,1363 ng/µl; ISUP 2: 1,127±0,1330 ng/µl; ISUP 3: 1,371±0,1080 ng/µl; ISUP 4: 0,7051±0,1009 ng/µl; ISUP 5: 1,133±0,0750 ng/µl. Besonders in der ISUP 2-Gruppe zeigte sich eine hohe Variabilität.

Diskussion: Der peptidbasierte Urintest zeigt ein vielversprechendes Potenzial zur Differenzierung von PCa-Subgruppen. Die Variabilität in Gleason-7a (ISUP 2) könnte durch die subjektive pathologische Beurteilung, insbesondere in der Differenzierung zwischen Gleason-Muster 3 und 4, bedingt sein. Eine Fehleinstufung kann nicht ausgeschlossen werden, ebenso wenig ein mögliches metastatisches Potenzial einzelner vermeintlich nicht-signifikanter Tumoren. Aufgrund der begrenzten Kohortengröße wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den ISUP-Gruppen 1 und 4 erreicht, jedoch sind klare Trends erkennbar. Eine Erweiterung der Kohorte ist geplant, um die Aussagekraft weiter zu verbessern.