71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Primäres B-Zell-Lymphom der Prostata – Case-Report einer onkologischen Rarität
Text
Einleitung: In der Literatur sind nur sehr wenige Fälle eines primären Lymphoms der Prostata beschrieben. Aufgrund der dennoch bestehenden klinischen Relevanz soll der anschließende Fallbericht für diese differentialdiagnostische Tumorentität sensibilisieren.
Bei einem 68-jährigen Patienten ergab die bei einer PSA-Elevation auf 13,35 ng/ml veranlasste mp-MRT der Prostata den Befund einer PI-RADS-5-Läsion. Neben multiplen, tumorsuspekten Läsionen der peripheren Zone mit dem Verdacht auf organüberschreitendes Wachstum zeigten sich zudem multiple, pathologische Lymphknoten im kleinen Becken periprostatisch, perirektal sowie entlang der Beckenstrombahn.
Methode: Die Patientendaten dieses Fallberichts wurden retrospektiv aus der elektronischen Krankenakte der behandelnden Klinik erfasst. Sämtliche Daten wurden anonymisiert und lassen keine Rückschlüsse auf die Patientenidentität zu. Eine Einwilligung zur Veröffentlichung der entsprechenden Daten wurde eingeholt.
Alle medizinischen Entscheidungen im Hinblick auf die Diagnostik und Therapie erfolgten auf der Basis der zu diesem Zeitpunkt gültigen Leitlinienempfehlungen.
Ergebnisse: Im Rahmen der durchgeführten MRT-Fusionsbiopsie ergab sich der histopathologische Nachweis eines hochproliferativen B-Zell-Lymphoms der Prostata (ED 07/2025). Die Ausbreitungsdiagnostik mittels CT- Hals/Thorax/Abdomen verblieb unauffällig. In einer ergänzten Knochenmarkbiopsie konnte keine Lymphominfiltration festgestellt werden.
Im Anschluss an die Vorstellung im interdisziplinären onkologischen Tumorboard erfolgte die onkologische Weiterbehandlung mit der Initiierung einer Therapie nach dem R- CHOP 21 Protokoll. Der Patient toleriert die bisherige Therapie gut und hat mittlerweile den 5. Zyklus abgeschlossen (Stand 11/2025), Akuttoxizitäten traten bisher nicht auf.
Ein Re-Staging ist für 12/2025 geplant.
Schlussfolgerung: Aufgrund der unspezifischen Symptomatik in diesem Fall, der klinischen Nähe zum BPS oder Adenokarzinom der Prostata (signifikante PSA-Erhöhung, PIRADS-5- Läsion im mp-MRT der Prostata) stellen Prostata-Lymphome eine differentialdiagnostische Herausforderung dar. Da sich die weitere Therapie der Patienten im Falle eines Lymphom-Nachweises fundamental von der des Adenokarzinom der Prostata unterscheidet, ist es von großer Bedeutung, diese Tumorentität im Rahmen der ausführlichen Diagnostik mit zu beachten.



