71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Spätrezidiv eines Hodentumors oder doch Erstdiagnose eines lymphogen metastasierten Prostatakarzinoms? Der entscheidende Blick über den Tellerrand
Text
Einleitung: Das Prostatakarzinom ist die häufigste maligne Tumorerkrankung des Mannes im höheren Lebensalter, während Hodentumoren überwiegend junge Männer betreffen. Bei Patienten mit bekanntem Seminom und in der Nachsorge neu aufgetretener Lymphadenopathie wird zunächst ein Tumorrezidiv vermutet. Dieser Fallbericht beschreibt eine inzidentell entdeckte lymphogene Metastasierung eines Prostatakarzinoms bei einem Patienten in Nachsorge nach Seminom.
Methode: Es wurde ein Fallbericht eines 54-jährigen Patienten in Nachsorge bei therapiertem Seminom des Hodens mit neu aufgetretener Lymphadenopathie verfasst. Erfasst wurden klinische Befunde, Laborwerte, bildgebende Verfahren (MRT, CT, PSMA-PET/CT), histologische und immunhistochemische Untersuchungen von Lymphknotenbiopsie und PSMA PET/CT-TRUS-Fusionsbiopsie der Prostata sowie interdisziplinäre Tumorboard-Empfehlungen und das initiale Therapiekonzept.
Ergebnisse: Acht Jahre nach Therapie eines klassischen Seminoms im Stadium I des linken Hodens wurde im MRT des Beckens im Rahmen der Diagnostik bei Hüftschmerzen inzidentell eine linksiliakale Lymphadenopathie entdeckt. Die Hodentumormarker zeigten sich normwertig. Die CT-gesteuerte Lymphknotenbiopsie ergab das Vorliegen eines Prostatakarzinoms (iPSA 97 ng/ml). Das im Folgenden angefertigte PSMA-PET/CT zeigte eine multifokale Traceraufnahme der Prostata und PSMA-positive vergrößerte pelvine Lymphknoten ohne Nachweis ossärer oder viszeraler Metastasen (miT2m (PRIMARY 5) N2 (IIL, OBL) M1a(CIL), PSMA expression score lowest 2 and highest 3). Die gezielte PSMA-PET/CT-Fusionsbiopsie bestätigte ein azinäres Prostatakarzinom, Gleason 4+3=7 (ISUP 3). Es wurde initial eine ADT mit Relugolix eingeleitet. Im Verlauf, nach Besprechung des Falles im interdisziplinären Tumorboard, wird eine Eskalation der Therapie erfolgen.
Schlussfolgerung: Bei neu aufgetretener Lymphadenopathie in der Nachsorge von Hodentumorpatienten sollte neben einem Spätrezidiv stets die Möglichkeit des Vorliegens eines Zweitmalignoms berücksichtigt werden. Für eine adäquate Diagnosestellung mit nachfolgender leitliniengerechter Therapie ist die histologische Sicherung suspekter Lymphknoten unumgänglich. Das PSMA-PET/CT kann eine zentrale Rolle in der Primariussuche bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom, sowie im Staging und bei der Therapieplanung einnehmen. Letztlich ist ein stets wachsamer Blick über den Tellerrand der Schlüssel zu frühzeitiger und zielgerichteter Diagnostik und Therapie.



