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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Extrazelluläre Vesikel und Langzeit-onkologisches Outcome beim Harnblasenkarzinom

Analena Handke - Marienhospital Herne, Urologie, Herne, Deutschland
Matteo Silberg - Marienhospital Herne, Urologie, Herne, Deutschland
Luisa Gluth - Marienhospital Herne, Anästhesie, Herne, Deutschland
Crista Ochsenfarth - Marienhospital Herne, Anästhesie, Herne, Deutschland
Phuong Pham - Marienhospital Herne, Anästhesie, Herne, Deutschland
Claus Küppers - Marienhospital Herne, Urologie, Herne, Deutschland
Jan Wischermann - Marienhospital Herne, Anästhesie, Herne, Deutschland
Thomas Komanek - Marienhospital Herne, Anästhesie, Herne, Deutschland
Karl Tully - Marienhospital Herne, Urologie, Herne, Deutschland
Florian Roghmann - Marienhospital Herne, Urologie, Herne, Deutschland
Ulrich Frey - Marienhospital Herne, Anästhesie, Herne, Deutschland

Text

Einleitung: Anästhetika können das Tumorverhalten durch die Modulation extrazellulärer Vesikel (EVs) und deren mikroRNA-(miRNA)-Fracht beeinflussen. Eine frühere randomisierte Studie zeigte perioperative Veränderungen der EV-Konzentration und des miRNA-Profils, darunter eine erhöhte Expression der tumorsuppressiven miR-451a unter Propofol-Anästhesie. Die klinische Bedeutung dieser molekularen Veränderungen ist jedoch bislang unklar. Ziel dieser Anschlussstudie war es, den Einfluss der Anästhesietechnik auf das Langzeit-Outcome nach radikaler Zystektomie bei Blasenkarzinompatienten zu untersuchen.

Methode: 44 Patienten aus der ursprünglichen prospektiv-randomisierten Studie (Propofol [P] vs. Sevofluran [S]) wurden longitudinal nachverfolgt. Primäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (OS) und das progressionsfreie Überleben (PFS). Perioperativ gewonnene Plasmaproben wurden hinsichtlich EV-Konzentration und miRNA-Profilen erneut analysiert und mit den klinischen Langzeitergebnissen korreliert. Die Überlebensanalyse erfolgte mittels „restricted mean survival time“ (RMST) zum 2-Jahres-Zeitpunkt.

Ergebnisse: Während und am Ende der Operation war die mittlere EV-Größe in der Propofol-Gruppe signifikant größer (intraoperativ: 122,4 nm vs. 109,8 nm; p = 0,002). Ebenso zeigte sich eine höhere EV-Konzentration im Bereich 50–150 nm bei Propofol-Anästhesie (9,2 × 10¹¹ vs. 4,4 × 10¹¹ Partikel/ml; p = 0,014). Patienten mit neoadjuvanter Chemotherapie (NAC) wiesen insgesamt höhere EV-Konzentrationen auf (4,6 × 10¹¹ vs. 2,1 × 10¹¹ Partikel/ml; p = 0,008). Unterschiede in PFS oder OS in Abhängigkeit von EV-Größe oder -Konzentration zeigten sich nicht. Allerdings war das OS nach NAC signifikant länger (23,2 vs. 19,9 Monate; p = 0,042). Nur in der NAC-Gruppe zeigte sich eine signifikante Verschiebung der Expression spezifischer EV-miRNAs.

Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen neoadjuvanter Chemotherapie, EV-vermittelter Signalgebung und Langzeit-Outcome beim Blasenkarzinom hin. Die vermehrte Expression bestimmter miRNAs (u.a. miR-93 und Mitglieder der miR-200-Familie) könnte zur verbesserten Prognose beitragen und auf ein komplexes Zusammenspiel zwischen NAC, miRNA-Profil und onkologischem Verlauf hinweisen.