71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Screening uroonkologischer Patienten mittels Distress Thermometer und MIDOS2 Fragebogen
Text
Einleitung: Ein zielgerichtetes Screening zur Erfassung von Symptomen und Belastungen von Patient*innen (Pts) mit fortgeschrittenen Tumorleiden kann die Patientenversorgung nachhaltig verbessern. Die S3-Leitlinie Palliativmedizin und die S3-Leitlinie Psychoonkologie fordern daher ein regelmäßiges Screening onkologischer Pts. In der Palliativmedizin ist das „Minimale Dokumentationssystem“ (MIDOS), in der Psychoonkologie das NCI Distress Thermometer (DT) hier ein validiertes Instrument. Zum Einsatz von MIDOS liegen kaum Daten zu uro-onkologischen Patienten vor und bei sich überschneidenden Belastungsitems ist bislang keine vergleichende Untersuchung zu den beiden Instrumenten durchgeführt worden.
Methode: Pts mit fortgeschrittener uro-onkologischer Tumorerkrankung und Indikation für eine medikamentöse Tumortherapie wurden in die Studie eingeschlossen. Belastungen wurden zu verschiedenen Zeitpunkten (vor Therapie (T0), einen Monat (T1) und drei Monate danach (T2)) mit MIDOS und DT gemessen. Klinische und soziodemographische Parameter sowie Ergebnisse von MIDOS und DT wurden mit Methoden der deskriptiven Statistik untersucht. Für vergleichende Untersuchungen wurden ein einseitiger t-Test eingesetzt. Korrelationskoeffizienten (KK) wurden mit Hilfe der Pearson-Methode berechnet.
Ergebnisse: Es konnten 50 Pts für die Studie rekrutiert werden (Urothelkarzinom: 17, Prostatakarzinom 13, Nierenzellkarzinom: 10, andere: 10, medianes Alter 67 (IQR 15) Jahre, 44/50 Männer, 31/50 Pts Chemotherapie, 12/50 Pts ICI-basierte Therapie). Zu den Zeitpunkten T1 und T2 konnten 31 bzw. 26/50 Pts erneut befragt werden. Vor der medizinischen Intervention gaben 36/50 Pts eine erhöhte psychosoziale Belastung (Distress Thermometer Cut-off-Wert >=4) an. Bei 23/50 Pts wurde ein Bedarf an spezialisierter Palliativversorgung festgestellt (MIDOS2-Summenwert >=8). Die Belastung und der Bedarf an pall. Versorgung nahmen nach einem und drei Monaten deutlich ab. Bezüglich der Items Schmerz, Depression und Angst weisen MIDOS und DT eine starke Korrelation auf (KK 0,72, 0,53, 0,65). Eine starke Korrelation weist auch der DT-Punktwert mit dem MIDOS-Summenscore auf (KK 0,59).
Schlussfolgerung: Die Prävalenz von Belastungen und der palliative Versorgungsbedarf bei uro-onkologischen Patienten ist hoch. MIDOS und DT weisen auf unterschiedlichen Ebenen eine gute Korrelation auf, so dass ein auffälliges DT auch auf einen pall. Versorgungsbedarf hinweisen kann.



