71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Unerwarteter Befund: extranodales Marginalzonen-B-Zell-Lymphom im Prostatamorcellat nach ThuLEP
Text
Einleitung: Maligne Lymphome der Prostata sind extrem selten und repräsentieren weniger als 0,1% aller malignen Prostatatumoren. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um sekundäre Infiltrationen im Rahmen einer systemischen Lymphomerkrankung. Primäre oder zufällig entdeckte Lymphome im Kontext einer Operation aufgrund benigner Prostatahyperplasie sind nur in Einzelfällen beschrieben. Wir berichten über einen Patienten, bei dem sich im Zuge einer transurethralen Laser-Enukleation (Thulium-Laser-Enukleation der Prostata, ThuLEP) histopathologisch die Infiltration eines malignen B-Zell-Lymphoms vom Typ eines Marginalzonenlymphoms zeigte.
Methode: Ein 73-jähriger Patient stellte sich mit klinischen und sonographischen Zeichen einer benignen Prostatahyperplasie sowie eindeutigen obstruktiven Miktionsbeschwerden vor. Nach Durchführung einer flexiblen Urethrozystoskopie mit dem Nachweis einer Obstruktion mit Verdacht auf Prostatahyperplasie erfolgte eine ThuLEP. Das gewonnene Morcellat wurde aufwendig histopathologisch untersucht.
Ergebnisse: Im Rahmen der aufwendigen histologischen Aufarbeitung des Prostatagewebes zeigte sich der Nachweis eines niedrig malignen B-Zell-Lymphoms vom Typ eines Marginalzonenlymphoms.
Damit ergibt sich die Diagnose eines extranodalen Marginalzonen-B-Zell-Lymphoms (MALT-Typ). Klinisch sowie laborchemisch fanden sich keine Hinweise auf eine systemische Manifestation. Es erfolgte die Kasusvorstellung in der Lymphom-Tumorkonferenz. Im Anschluss erfolgte die Initiierung eines CT-Hals/Thorax/Abdomens mit Kontrastmittel sowie die Durchführung einer Gastroduodenoskopie sowie Koloskopie mit Stufenbiopsien (Befunde noch ausstehend, werden zusammen mit dem Verlauf anlässlich der Jahrestagung präsentiert).
Schlussfolgerung: Der beschriebene Fall illustriert eine extrem seltene Infiltration eines malignen B-Zell-Lymphoms der Prostata als Zufallsbefund im Rahmen einer Operation bei benigner Prostatahyperplasie. Präoperativ bestanden keinerlei klinische sowie laborchemische Hinweis auf eine maligne Erkrankung. In der Literatur sind bislang nur wenige ähnliche Fälle beschrieben, was die Bedeutung einer vollständigen histopathologischen Untersuchung auch vermeintlich benigner Resektate unterstreicht. Urologinnen und Urologen sowie Pathologinnen und Pathologen sollten sich der Möglichkeit seltener maligner Differenzialdiagnosen bewusst sein, insbesondere bei atypischen histologischen oder klinischen Befunden.



