71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Nectin-4-PET/CT mit [⁶⁸Ga]Ga-N188 zur Darstellung der Nectin-4-Expression beim metastasierten Urothelkarzinom unter Enfortumab vedotin + Pembrolizumab
Text
Einleitung: Nectin-4 ist ein Zelladhäsionsmolekül, das im metastasierten Urothelkarzinom (mUC) überexprimiert wird. Das anti-Nectin-4 Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Enfortumab vedotin (EV) in Kombination mit Pembrolizumab (P) stellt die neue Standard Erstlinientherapie des mUC dar. Die Kombination erhielt kürzlich auch die FDA-Zulassung für das perioperative Setting. Trotz vielversprechender Therapieergebnisse zeigt sich eine relevante Heterogenität der membranären Nectin-4-Expression, die mit dem Therapieansprechen korrelieren könnte. Derzeit erfolgt die Bestimmung der Nectin-4-Expression meist als immunhistochemische Färbung (ICH). Molekulares Imaging mittels [68Ga]Ga-N188-PET/CT (Nectin-4-PET/CT) wurde erstmals 2023 beschrieben. Diese Pilotstudie zielt darauf ab, die Durchführbarkeit und den potentiellen Nutzen der Nectin-4-PET/CT für die Quantifizierung der Nectin-4-Expression und Überwachung des Ansprechens auf EVP bei mUC zu evaluieren.
Methode: Diese Fallserie umfasst Patienten (n=10) mit histologisch gesichertem mUC, die EVP erhielten. Die Patienten unterzogen sich einer Baseline-Nectin-4-PET/CT vor Therapiebeginn, sowie einer Re-PET/CT nach ≥2 Behandlungszyklen im Rahmen eines individuellen Heilversuchs. PET/CT-Bildgebungsparameter wurden analysiert und mit der histologisch bestimmten membranären Nectin-4-Expression, dem Therapieansprechen, sowie dem klinischem Verlauf korreliert.
Ergebnisse: Eine Nectin-4-Expression war in 9/10 Zielläsionen beschrieben, mit einem medianen SUVmax von 4,3 (IQR=4–5). Das häufigste Metastasierungsmuster war lymphogen (n=9/10), gefolgt von ossär (n=3/10). IHC war bei 6 Patienten verfügbar (Primärtumor n=4/6; Metastasen n=2/6) mit einem medianen H-Score von 25,5 (IQR=2,5–47,25).
Bei 7 Patienten wurde nach mindestens zwei Behandlungszyklen (Median=5 Zyklen, IQR=5-5,75) eine Re-Nectin-4-PET/CT durchgeführt. In allen Verlaufsbildgebungen zeigte sich eine partielle oder komplette Remission. Die [68Ga]Ga-N188-Traceraufnahme zeigte in allen Zielläsionen eine Regredienz (mittlere Abnahme SUVmax=▲-1).
Schlussfolgerungen: Diese Fallserie zeigt, dass die [68Ga]Ga-N188-PET/CT als nicht-invasiver bildgebender Marker zur Beurteilung der Nectin-4-Expression bei mUC technisch durchführbar ist und das Therapieansprechen unter EV/Pembro potenziell abbilden kann. Die [68Ga]Ga-N188-PET/CT weist ein relevantes Potenzial für die prädiktive und therapiebegleitende Bildgebung auf, das in größeren prospektiven Studien zu bestätigen ist.



