Logo

71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Kosten-Nutzen-Analyse von perioperativem Durvalumab plus Gemcitabine/Cisplatin beim muskelinvasiven Blasenkarzinom

Constantin Rieger - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und Roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Jörg Schlüchtermann - Universität Bayreuth, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Bayreuth, Deutschland
Florian Schmid - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und Roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Julian Heidenreich - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und Roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Richard Weiten - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und Roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Christian Bach - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und Roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
David Pfister - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und Roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland
Axel Heidenreich - Universitätsklinikum Köln, Klinik und Poliklinik für Urologie, Uro-Onkologie, spezielle urologische und Roboter-assistierte Chirurgie, Köln, Deutschland

Text

Einleitung: Die NIAGARA-Studie untersuchte die Wirksamkeit der Ergänzung einer perioperativen Immuntherapie mit Durvalumab zur Standardchemotherapie mit Gemcitabin/Cisplatin beim muskelinvasiven Blasenkarzinom (MIBC). Angesichts der zunehmenden finanziellen Belastung durch die Behandlung des Urothelkarzinoms und der klinischen Ergebnisse der NIAGARA-Studie führten wir eine gesundheitsökonomische Bewertung auf Basis der vorliegenden klinischen Daten durch, um zu prüfen, ob der Einsatz von Durvalumab auch aus sozioökonomischer Perspektive in Deutschland gerechtfertigt ist.

Methoden: Es wurde ein Markov-Modell aus der Perspektive des Kostenträgers entwickelt, das auf den klinischen Daten der NIAGARA-Studie basiert. Zur Ermittlung der kosteneffektivsten Behandlungsstrategie im deutschen Gesundheitssystem wurde eine Monte-Carlo-Simulation durchgeführt. Darüber hinaus wurden die inkrementellen Kosten-Effektivitäts-Verhältnisse (ICER) der jeweiligen Therapieansätze über unterschiedliche Zahlungsbereitschaftsschwellen (willingness-to-pay, WTP) hinweg verglichen.

Ergebnisse: Die durchschnittlichen Kosten der Standardtherapie (SoC) betrugen 113.224 €, während die Kombinationstherapie aus Durvalumab und Gemcitabin/Cisplatin durchschnittliche Kosten von 126.386 € verursachte, was zu inkrementellen Kosten von 13.162 € führte. Die qualitätskorrigierten Lebensjahre (QALYs) beliefen sich auf 3,16 für die SoC und 3,37 für die Intervention, entsprechend einer inkrementellen Effektivität von 0,21 QALYs. Der daraus resultierende ICER für die Kombinationstherapie lag bei 61.006 € pro QALY. Bei einer WTP-Schwelle von 100.000 € ist die Ergänzung von Durvalumab zur Gemcitabin/Cisplatin-Therapie die bevorzugte Behandlungsoption, mit einer Wahrscheinlichkeit von 76,5%, kosteneffektiv zu sein. Ein erheblicher Anteil der Kosten in den Simulationen entfiel auf Ausgaben für nachfolgende Therapien im metastasierten Krankheitsstadium.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Integration von Durvalumab in das perioperative Behandlungskonzept eine kosteneffektive Strategie darstellt, was vor allem auf das Potenzial zurückzuführen ist, bei einem Teil der Patienten den Einsatz kostenintensiver Folgetherapien durch einen Progress ins metastasierte Stadium zu reduzieren. Eine intensivierte Therapie des MIBC kann demnach nicht nur onkologische Vorteile bieten, sondern auch relevante sozioökonomische Nutzen.