71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Management von ASAP-Befunden im Zeitalter der MRT-Fusionsbiopsie – eine multizentrische Real-World-Data Analyse
Text
Einleitung: Bei Nachweis atypischer Drüsen (atypical small acinar proliferation, ASAP) in der Prostatastanzbiopsie wurden bislang Kontrollbiopsien innerhalb von sechs Monaten empfohlen, da frühere Studien in 42–48% der Fälle ein invasives Prostatakarzinom in der Kontrollbiopsie beschrieben. Diese Studie untersucht das aktuelle diagnostische und therapeutische Vorgehen nach primärer MRT-Fusionsbiopsie.
Methode: Die Daten wurden durch die Arbeitsgruppe Prostatakarzinom der German Society of Residents in Urology (GeSRU) erhoben. Es wurden retrospektiv 233 Patienten mit ASAP-Diagnose aus neun urologischen High-Volume-Zentren analysiert. Erfasst wurden das diagnostische Vorgehen sowie die Ergebnisse der Kontrollbiopsien.
Ergebnisse: ASAP-Befunde wurden häufiger in der systematischen Biopsie als in der MRT-Fusionsbiopsie detektiert (45,9% vs. 19,3%). 31,3% der Patienten erhielten eine Kontrollbiopsie nach durchschnittlich 12 Monaten (IQR 6–16). Davon zeigten 31,5% einen benignen Befund; 13,7% erneut einen ASAP-Befund; 13,7% ein klinisch nicht signifikantes Prostatakarzinom (Gleason 6) und 31,5% ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom (Gleason ≥ 7a). Die mittlere Zeit bis zur Tumordiagnose betrug 9 Monate (IQR 6–19). Ein auffälliges MRT der Prostata (PI-RADS ≥ 3) lag bei allen Patienten mit einem klinisch signifikanten Prostatakarzinom in der Kontrollbiopsie vor.
Schlussfolgerung: In unserer multizentrischen Kohorte wurde bei 31,5% der Patienten mit initialem ASAP-Befund im Verlauf ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom diagnostiziert – deutlich weniger als die in früheren Studien berichteten 42–48%. Diese Diskrepanz stellt die bisherige Risikoeinschätzung infrage und unterstreicht die Notwendigkeit einer Neubewertung des diagnostischen Managements von ASAP-Befunden nach MRT-Fusionsbiopsie.



