71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
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Schnelltest zum Nachweis von Prostatakarzinomen
Text
Einleitung: Das Prostatakarzinom (PCa) stellt die häufigste maligne Tumorerkrankung des Mannes dar und ist nach wie vor schwierig von einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) zu unterscheiden. Die derzeitigen diagnostischen Verfahren beruhen überwiegend auf der PSA-Bestimmung sowie auf Befunden der multiparametrischen MRT (mpMRT), wodurch Patienten häufig bis zum Vorliegen der Biopsieresultate in diagnostischer Unsicherheit verbleiben. Zur Schließung dieser diagnostischen Lücke wurde ein schneller, plasmabasierter Cy5Vim3-Test entwickelt, der vielversprechende diagnostische Genauigkeit zeigt.
Material und Methoden: 250 µl Patientenplasma wurde zentrifugiert und anschließend für 30 Minuten bei Raumtemperatur im Dunkeln mit einem Vim3-Peptid inkubiert, das zuvor 15 Minuten lang mit 60 nm Gold-Nanopartikeln vor-konjugiert worden war. Die Proben wurden bei 5500 × g für 10 Minuten zentrifugiert, und das Pellet wurde in 100 µl PBS resuspendiert. Die Absorption wurde bei 450 nm mithilfe eines ELISA-Readers gemessen. Die Studienkohorte umfasste 40 BPH-Patienten und 128 Patienten mit biopsiebestätigtem PCa.
Ergebnisse: Der Test erreichte eine Sensitivität von 86% sowie eine Spezifität von 80%. Zwei initial als BPH eingestufte Patienten zeigten erhöhte Testwerte; eine spätere Nachsorge bestätigte in beiden Fällen das Vorliegen eines Prostatakarzinoms. Der mittlere PSA-Wert betrug für die BPH-Gruppe 2,235 ng/µl und für die PCa-Gruppe 8,02 ng/µl. Die mittlere optische Dichte bei 450 nm lag bei 0,04904 ± 0,0242 (BPH) bzw. 0,1449 ± 0,1316 (PCa). Der Cut-off-Wert wurde bei einer optischen Dichte von 0,05495 festgelegt. Der mittlere PSA-Wert betrug 2,235 ng/µl in der BPH-Gruppe und 13,915 ng/µl n der PCa-Gruppe.
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass der neu entwickelte Schnelltest BPH und PCa zuverlässig und mit hoher diagnostischer Genauigkeit unterscheiden kann. Besonders bemerkenswert ist, dass zwei vermeintliche BPH-Fälle mit erhöhten Testwerten später als Prostatakarzinome bestätigt wurden, was darauf hindeutet, dass der Test maligne Veränderungen möglicherweise früher erkennt als konventionelle Diagnostik-Verfahren. Dies unterstreicht das Potenzial des Schnelltests als ergänzendes Instrument zur PSA-Messung, um diagnostische Unsicherheit zu verringern und frühere therapeutische Interventionen zu ermöglichen. Größere prospektive Studien sind erforderlich, um die bisherigen Ergebnisse zu validieren und den klinischen Nutzen weiter zu bewerten.



