71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Proximale ATOMS-Implantation bei männlicher SUI in einer herausfordernden Kohorte – erste Ergebnisse der prospektiven PROXIMAL-Studie
Text
Einleitung: Adjustierbare Schlingen erfüllen die Erwartungen der meisten Männer mit Belastungsinkontinenz (SUI) an ein passives System (Kumar et al. 2009). Am besten untersucht ist das Adjustable Transobturator Male System (ATOMS, AMI, Österr.).
Risikofaktoren für verminderte Wirksamkeit sind vorangegangene Radiatio, Diabetes oder hoher PAD-Bedarf vor OP (Angulo et al. 2021).
Durch modifizierte proximale ATOMS-Implantation konnten wir in einer Machbarkeitsstudie eine verbesserte Kontinenz bei Patienten mit anhaltendem Harnverlust nach herkömmlicher ATOMS-Implantation nachweisen (Queissert et al. 2023).
Die vorliegenden Daten zeigen erste Ergebnisse der prospektiven PROXIMAL-Studie.
Methode: Alle Männer, die seit März 2024 ein ATOMS in unserer modifizierten Implantationstechnik erhielten, wurden in die Studie aufgenommen.
Die Ergebniserfassung erfolgte mittels standardisiertem Nachsorgeprotokoll. Die statistische Auswertung erfolgte fragestellungsabhängig mit Mac Nemar Test, gepaartem t-Test oder Wilcoxon Test.
Ergebnisse: 38 Männer wurden 6 Monaten nach OP untersucht. Das Durchschnittsalter betrug 70,4 Jahre, der BMI 28,0 kg/m²; 10,5% hatten einen Diabetes, 44,7% waren vorbestrahlt. Bei 23,7% war die SUI operativ vorbehandelt. Bei 14 Männern wurde vor OP eine Urodynamik durchgeführt, die bei 11 Männern eine Detrusorüberaktivität zeigte.
Die OP-Dauer betrug durchschnittlich 54,5 min, das anfängliche Füllvolumen lag bei 6,4 ml. Tabelle 1 [Tab. 1] zeigt alle Ergebnisdaten. Nur eine Revision war notwendig, die Zufriedenheit (PGI-I „viel besser“ oder „sehr viel besser“) erreichte 89,1%. Der Urinverlust ging signifikant zurück, bei 64,9% wurde soziale Kontinenz erreicht. Der Urinverlust betrug nach OP durchschnittlich 81,7 ml/24 h, was hauptsächlich auf 2 Ausreißer (580 ml und 900 ml) zurückzuführen war. Der ICIQ-SF-Score verbesserte sich von 21.3 vor auf 6.9 nach OP. Post-OP
Miktionsbeschwerden (IPSS Voiding) wurden nicht beobachtet. Bei 16,2% bestanden nach 6 Monaten neuropathische Beschwerden im Skrotum.
Schlussfolgerung: Selbst in einer herausfordernden Kohorte mit einem hohen Anteil an bestrahlten Patienten (44,7%) zeigte die proximale ATOMS-Implantation hohe Zufriedenheit und niedrige Revisionsraten. Die Technik ist daher unsere bevorzugte Behandlung, sofern eine ausreichende Residualfunktion des externen Sphinkters vorliegt. Persistierende neuropathische Beschwerden bleiben eine Herausforderung; weitere Modifikationen des Implantats könnten dieses Problem mindern.
Abbildung 1 [Abb. 1]





