71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Quantifizierung der Nephrotoxizität von [¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA-617: eine Längsschnittanalyse des Real-World LUMEN-Registers
Text
Einleitung: Die potenzielle Nephrotoxizität der Radioligandentherapie mit [177Lu]Lu-PSMA-617 bei mCRPC-Patienten ist ein zentrales klinisches Anliegen. Die Kontroverse entstand durch wissenschaftliche Diskrepanzen: Während initiale klinische Studien die Nierensicherheit weitgehend belegten, werfen neuere Real-World Daten Fragen zur Langzeittoxizität auf. Ziel dieser Studie war es, diese Unsicherheit aufzuklären und die langfristige Nierensicherheit von [177Lu]Lu-PSMA-617 unter Routinebedingungen umfassend zu evaluieren.
Methode: Wir führten eine retrospektive Analyse von 261 mCRPC-Patienten durch, die im Rahmen des monozentrischen LUMEN-Registers erfasst wurden und mindestens drei Zyklen [177Lu]Lu-PSMA-617-Therapie erhalten hatten. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) über einen Zeitraum von maximal 24 Monaten nach Therapiebeginn. Die Bewertung des eGFR-Verlaufs erfolgte mittels linear mixed-effects model (LMM), um intra- und interindividuelle Variabilitäten zu berücksichtigen.
Ergebnisse: Die Analyse der n = 261 Patienten zeigte eine statistisch signifikante, jedoch minimale Verminderung der eGFR von durchschnittlich -0,15 ml/min/1,73 m2 pro Monat (LMM: p = 0,005). Dies entspricht einer kumulativen Verminderung um durchschnittlich -1,80 ml/min/1,73 m2 pro Jahr. Dabei konnte für Risikofaktoren wie Alter, Hypertonie und Diabetes mellitus kein signifikanter Einfluss auf diese Rate festgestellt werden.
Schlussfolgerung: In der bisher größten Real-World-Kohorte war die Behandlung mit [177Lu]Lu-PSMA-617 nur mit einer klinisch nicht relevanten Verminderung der Nierenfunktion assoziiert. Unsere Ergebnisse liefern Evidenz, welche die aus klinischen Studien bekannte Nierensicherheit dieses Wirkstoffs untermauern. Sie tragen maßgeblich zur Deeskalation der klinischen Bedenken bezüglich einer relevanten Nephrotoxizität bei.



