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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Projekt „Von Zyklus bis Verhütung“

Anne Högemann - Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF), Deutschland

Text

Inhalt: Die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V. (ÄGGF) setzt mit dem Projekt „Von Zyklus bis Verhütung“ (2025–2028) auf ein bewährtes und zugleich weiterentwickeltes Präventionsformat im schulischen Setting. Ziel ist es, die Gesundheitskompetenz von Jugendlichen ab der 7. Klassenstufe zu stärken und ihnen eine informierte, selbstbestimmte Auseinandersetzung mit Themen wie Menstruationsgesundheit, Sexualität, Verhütung und reproduktiver Gesundheit zu ermöglichen.

Zentraler Bestandteil des Projekts sind ärztliche Workshops im Klassenzimmer, die bewusst ohne Lehrkräfte und in geschlechtsgetrennten Gruppen stattfinden. Diese geschützte Atmosphäre ermöglicht einen offenen, dialogischen Austausch, in dem evidenzbasierte Informationen vermittelt und individuelle Fragen aufgegriffen werden können. Die Teilnehmenden profitieren dabei nicht nur von medizinisch fundiertem Wissen, sondern auch von einem direkten Austausch mit den Ärzt:innen, die als vertrauenswürdige Ansprechpersonen fungieren und zugleich eine Brücke in das Gesundheitssystem bilden. Vor dem Hintergrund aktueller Studien zur Jugendsexualität und Gesundheitskompetenz gewinnt die kritische Auseinandersetzung mit digitalen Informationsquellen zunehmend an Bedeutung. Viele Jugendliche beziehen ihr Wissen aus sozialen Medien, aus nicht verifizierten Online-Inhalten oder Pornografie.

Das Projekt greift diese Realität auf, indem solche Inhalte beispielhaft besprochen und hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit bewertet werden. Ziel ist es, Medienkompetenz zu fördern und die Fähigkeit zu stärken, zwischen evidenzbasierten Informationen und subjektiven oder verzerrten Darstellungen zu unterscheiden. In den Workshops mit den weiblichen Teilnehmenden liegt ein Fokus auf Wissensvermittlung und frühzeitiger Sensibilisierung für Menstruationsgesundheit/-beschwerden (auch Endometriose), auf Verhütungsmethoden und dem Besuch in der gynäkologischen Praxis. Wie können Social media oder KI-generierte Antworten das Wissen, die Einstellung und Erwartungen beeinflussen? In den Workshops mit männlichen Teilnehmenden wird verstärkt auf pornografische Inhalte und deren Einfluss auf Erwartungen an Geschlechtsverkehr, Sexualpraktiken und Beziehungen eingegangen. Dabei werden auch Rollenbilder thematisiert und ein Perspektivwechsel angeregt, um zum Nachdenken zu führen. Weitere Themen sind u.a. Verhütungsmittel, der Umgang mit Verhütungspannen und Anlaufstellen der Beratung.

Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit, besonders für Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Lebenslagen oder mit Migrationsgeschichte. Durch den aufsuchenden Ansatz werden auch jene erreicht, die sonst nur eingeschränkt Zugang zu Gesundheitsinformationen und Versorgungsstrukturen haben. Ziel ist es, die Gesundheits- und Medienkompetenz zu stärken und selbstbestimmte Entscheidungen zur eigenen Gesundheit und Sexualität zu ermöglichen.

Interessenkonflikte: Keine