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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Das Erste Mal als Thema auf YouTube, Instagram und TikTok: Ergebnisse einer Inhaltsanalyse

Nicola Döring - Technische Universität Ilmenau, Ilmenau, Deutschland

Text

Hintergrund: Über sexuelle und reproduktive Gesundheit wird auf Social-Media-Plattformen intensiv diskutiert. Für viele junge Menschen sind Plattformen wie YouTube, Instagram oder TikTok wichtige Quellen der Sexualaufklärung. Die an der TU Ilmenau von 2023 bis 2026 durchgeführte EMSA-Studie betrachtet diese Online-Kommunikation hinsichtlich drei ausgewählter Themen: Erstes Mal Sex, Menstruation und SchwangerschaftsAbbruch.

Zielsetzung: Mit Blick auf das Erste Mal Sex will die EMSA-Studie vier Forschungsfragen (F1-F4) beantworten, die sich auf die Anbieter (F1), die Inhalte (F2), die Qualität (F3) und die Publikumsreaktionen (F4) sexueller Social-Media-Kommunikation beziehen.

Material und Methoden: Im Jahr 2026 wurde eine Stichprobe von N = 387 populären deutschsprachigen Videos zum Ersten Mal Sex von YouTube (n = 150), Instagram (n = 57) und TikTok (n = 180) gezogen. Pro Video wurden zudem die maximal 20 meistgelikten themenbezogenen Publikumskommentare erfasst. Die Videos und Kommentare wurden mittels zweier deduktiv und induktiv entwickelter, reliabilitätsgeprüfter Codebücher inhaltsanalytisch ausgewertet. Die statistische Datenanalyse erfolgte mit R.

Ergebnisse: Es zeigte sich, dass populäre Social-Media-Videos über das Erste Mal Sex mehrheitlich von Gesundheitslaien stammen, deutlich seltener von Gesundheits- oder Medienprofis (F1). Inhaltlich dominiert Erfahrungswissen gegenüber Faktenwissen, und inhaltlich im Mittelpunkt stehen das Alter beim Ersten Sex sowie Sexualpraktiken; in knapp jedem dritten Video geht es um Verhütung oder um Vergnügung, in jedem sechsten um Konsens (F2). Gemessen mit dem mDISCERN-Index, dem etabliertesten Messinstrument zur Qualität von Online-Gesundheitsinformationen, zeigen die untersuchten Social-Media-Videos mehrheitlich eine schlechte bis moderate Qualität, wobei YouTube-Videos im Plattformvergleich am besten abschneiden (F3). YouTube- und TikTok-Videos zum Ersten Mal Sex zeigen die vergleichsweise größte Publikumsresonanz in Form von Views, Likes und Kommentaren; auf Instagram dagegen ist das Thema in Videos und Kommentaren weniger präsent (F4).

Diskussion: Weitere Forschung sowie Praxismaßnahmen sind notwendig, um die Qualität von Social-Media-Videos zum Ersten Mal Sex besser einschätzen und optimieren zu können. Neben einer Förderung der Online-Gesundheitskompetenz junger Menschen scheint es wichtig, das Angebot an qualitätsvollen und vielfältigen Videos zum Thema durch Gesundheits- und Medienprofis zu stärken.

Interessenkonflikte: Keine